Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6141-3183162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 der Erziehungsanstalten. Zwar fehlt es, trotz ihrem Verbote, nicht an sogar sehr leichten Gelegenheiten, sich ausländische, d. h. französische Bücher zu schaffen; aber weil es nicht offen und frei geschehen darf, und vor Allem, weil man von seiner eigenen Arbeit keinen öffentlichen Gebrauch machen kann, so bringt dies eine allgemeine Mutlosigkeit oder Indignation hervor, und so arbeiten die meisten Gelehrten entweder nichts oder nur in Fächern, durch welche die philosophische Kultur nicht gewinnen kann. Die Erziehungsanstalten sind überaus elend. Glauben Sie, daß es in irgend einer der fünfzehn oder mehr Universitäten, die es in Spanien geben mag, nur einen einzigen Professor der Geschichte gäbe? daß überhaupt Geschichte, Geographie, Statistik u. s. s. nur irgendwo oder> irgendwann gelehrt würde? Man lehrt in den untern Schulen schlechterdings nichts als Religion, Lesen, etwas Rechnen und Schreiben (dies letztere aber sehr gut), in den folgenden, die unseren Gymnasien entsprechen, schlecht Lateinisch, auf den Universitäten eine scholastische Metaphysik, Theologie (eigentlich nur Dogmatik, an Bibelerklärung und Kirchengeschichte ist nicht zu denken) und Jurisprudenz. Alles Uebrige (die Medizin ausgenommen, für die besondere Anstalten vorhanden sind) muß Jeder für sich lernen. Dennoch muß er, ohne es ändern zu können, blos mit den Universitätsstudien sechs bis acht Jahre verderben und kann also erst nach dem zwanzigsten Jahre zu lernen anfangen, was bei uns die Kinder wissen. Dennoch habe ich selbst einige wirklich gelehrte Leute A gefunden, diese aber verdanken es blos einem eigenen mühseligen Studiren. Was bei dieser Lage der Sache am meisten zurück sein muß, ist, wie Sie selbst sehen, Philosophie und Kenntniß alter Sprachen. In der Chemie und Mineralogie hat man seit einigen Jahren angefangen, Fortschritte