Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6126-3183147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das jüngste Geschöpf in der Familie zu sein, hat einen Nachtheil für mich, der sich leider bis zu diesem Briefe äußert. Wäre mir die erste Seite auf diesem Papier zu Theil geworden, so hätten Sie, mein Bester, wie es in der unabsehbaren Stufenleiter der Dinge (in der wirklichen Welt oder nur in den Köpfen der Philosophie?) geht, von dem Schlechtern zum Besseren fortsteigen können. Aber mir, eben als wäre das Fehlerhafte meiner Schreibart nicht anfallend genug, einen traurigen Mittelplatz zu geben, mich zu einem unseligen Schlagschatten zu gebrauchen, der die nebenstehenden Gegenstände heben soll, das ist ebenso unerlaubt, als wenn Sie mir zu meiner satyrifchen Blumenlese Glück wünschen. (Gern wollte ich dergleichen Sammlungen entbehren, würde einem hier der Beitrag nicht von allen Seiten aufgedrungen.) Wie unangenehm mir Ihre schnelle Abreise und noch mehr die traurige Veranlassung dazu gewesen, sageich Ihnen nicht, da ich von Ihrer Freundschaft hoffen darf, daß Sie mir dergleichen Empfindungen Zutrauen. Mit Verlangen sehe ich der künftigen Messe entgegen, weil dann einer meiner wärmsten Wünsche in Erfüllung geht, der Wunsch, Ihnen mündlich zu sagen, wie über alles schätzbar mir Ihre Liebe und Ihr Andenken ist. Empfehlen Sie mich Ihrem ganzen Hause und seien Sie versichert, daß der hiesige Aufenthalt, von welcher Seite Sie ihn anpreisen mögen, mir nur als ein nothwendiges Uebel erträglich ist. Ganz der Ihrige Humboldt der Jüngere.