Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 100)
- Language
- German
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30 zur „Philosophischen Anthropologie" einen Beitrag lieferte *'), waren durch die innigste Freundschaft mit ihm verbunden. Bendavid verlebte dergestalt in Wien glückliche Zeiten. Einem so seltenen Erfolge, wie seine Vorlesungen erfuhren, konnte es aber an heimlichen Gegnern nicht fehlen. Der Brotneid einiger Fakultätsgenossen benutzte den erwachenden Argwohn der Negierung, die Bendavid, wie er sich witzig ausdrückte, nach allen seinen Attributen als philosophisch-kantisch-protestantisch-preußischen Juden mißtraute, um den Freiwuth zu verdächtigen, mit dem er sich aussprach, wenn er sich seiner Gewohnheit gemäß vor dem Anfang der Vorlesung mit seinen Zuhörern unterhielt. Wenige Tage, nachdem fein Ankläger, ein Professor der Philosophie an der Universität Wien, der ihn bis dahin eifersüchtig gemieden hatte, in seinem Hörsaal erschienen war, um ihm die ungemessensten Lobsprüche zu ertheilen, wurde ihm das öffentliche Doziren untersagt und der Hörsaal von Rechtswegen geschlossen. Sogleich eröffnete sein Freund, der Graf von Harrach seinen geräumigen Saal in seinem Hause, wo die Vorlesungen eine Zeit lang ihren Fortgang nahmen. Bendavid wurde aber nach einiger Zeit von einem hohen Staatsbeamten freundschaftlich gewarnt, und als mehre seiner Freunde, die in dem Rufe des Liberalismus standen, in kurzen Zwischenräumen fast unter denselben Symptomen verschieden, da entschloß sich Bendavid, Wien zu verlassen und nach seiner Vaterstadt Berlin zurückzukehren. In Berlin setzte er seine mündlichen Vorträge und seine schriftstellerische Thätigkeit theils in selbstständigen Werken, theils in Zeitschriften und Journalen, wie in der „Berlinischen" und „deutschen Monatsschrift," den „Hörens" *) Ueber die Zerstreuung in pädagogischer Rücksicht (1. 77 ff.)