Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite XXXI (sequence 57)
- Language
- German
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XXXI -des Ganzen und Allgemeinen hat, aber ich übersehe auch die Mißdeutungen nicht, denen eine m iiber geschickte Anordnung der Details sich anssetzt. Es macht sich da leicht die Meinung geltend, als ob die jüdische Nation und Glaubensgenossenschaft in der Gegenwart wirklich gar keine Geschichte mehr in dem Sinne habe, daß sie sich nach innern nothwendigen Gesetzen entwickele. Es hat den Anschein, als ob in der That Alles, was sich da begibt und zuträgt, nur vom Impromptu einiger znsammenhangölos neben einander stehender Ereignisse und Personalien bestimmt würde. Ja! mir scheint es sogar ernstliche Pflicht, sich mit dieser Frage eingehender zu beschäftigen, ehe man an die retrospektive Betrachtung geht, die ganz nutzlos wärehätte man nicht die Gesichtspunkte zuvor festgestellt, von denen aus der Rück- und Ueberblick zu geschehen hat. Vor Allem darf man sich nicht der Thatsache verschließen, daß einem oberflächlichen Ueberblicke zufolge es allerdings erscheinen müsse, daß einer eigentlichen Geschichte und organischen Entwickelung des Judenthumes schon lange Boden, Nahrung und Vorbedingung entzogen wären. Fehlen doch zunächst alle realen Momente, die ein geschichtliches Leben bedingen, als da sind: Ein fest begrenzter Schauplatz, ein ausschließliches Territorium, die Einflüsse besonderer landschaftlicher Verhältnisse, ein Staat mit seinen in sich gearteten gesellschaftlichen Einrichtungen. Aber selbst der Racentypus und die nationale Verschiedenheit scheinen seit einem halben Jahrhunderte wie verwischt oder doch mindestens abgegriffen. Die sittlichen und geistigen Motoren einer besondern jüdischen Geschichte scheinen