Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Eakkai, ein neues Zentrum und machte die Ausgestaltung und Erklärung der Gesetze und der ganzen heiligen Ueberlieferung -um Lebensinhalt des Volkes. Ihr kennt alle die schönen Sätze: „Denn die Lehre ist unser Leben und das Licht unserer Tage, und mit ihr befaffen wir uns Tag und Rächt". Und: „Sie soll nicht weichen auS deinem Munde, aus dem Munde deiner Kinder und deiner Enkel, und du sollst an sie denken, wenn du sitzest in deinem Hause oder auf dem Wege gehst, wenn du aufstehest und dich niederlegst." Diese Worte sind ein Ausdruck dafür, wie stark dieser neue Mittelpunkt die Gemeinschaft zusammenfaßte und beherrschte, und Jahrhunderte hindurch erfüllte er bei allen Gliedern deS Volkes seine Aufgabe: in der Diaspora die Judenheit nicht untergehen zu lassen. Noch mancher Versuch wäre zü erwähnen, den das zerstreute Volk machte, um sich wieder um einen Mittelpunkt zu sammeln. Hier ist die Nolle, die der MesstaSgedanke spielte, zu nennen: der Glaube, daß ein Mensch kommen wird, der alle Kräfte in sich vereinen und zur Entfaltung führen wird. Die Zeit Sabatai Zewis war der stärkste dieser Versuche, und die Berichte davon erhellen uns ein großes Stück Geschichte der Diaspora. Später erst, zur Zeit der Emanzipation, entstand ein Zwiespalt dadurch, daß ein einheitliches Zentrum fehlte und die schwere Frage der Gleichberechtigung zu irgend einer Lösung drängte. Aber diese Verhältnisse sind zu verwickelt, als daß wir in Kürze auf sie eingehen könnten. Jetzt eint uns wieder die Liebe zu unserem Volke und der Glaube an seine Zukunft und vor allem unsere gemeinsame Aufgabe: diese Zukunft selbst zu gestalten. Daß diese Aufgabe Mittelpunkt, zentraler Gedanke und fruchtbares Moment unseres ganzen Volkes wird, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Ich habe den Gedanken, von dem ich ausging, nicht erschöpfend durchführen, sondern nur ein Beispiel und eine Anregung geben wollen. Wenn wir auf .ähnliche Weise Geschichte treiben, so kann sie fruchtbar für nu8 werden und vielleicht können wir sie dann lebensvoll gestalten und anderen zeigen. Berlin Hans Cohn 165