Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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fcilbuiifl vorausgesetzt wird, aber nicht genügt, sondern man mutz noch anderes daznnehmen, nm sich überhaupt einmal in die Begriffe zurnckznsinden, deren Be^ Leutung man etwas vergessen hat. In der Chemie spielen sich die Dinge bei weitem nicht so einfach ab, wie es auf den Schulen gelehrt wird, auch hier muß man sich schon etwas hineinvertiefen um verstehen, nicht im volkstümlichen Tone gehaltene Abhandlungen genießen. Der volkstümliche Ton ist immer etwas oberflächliches, siehe der „Kosmos", der doch gewiß nicht gerade schlecht ist. Ebenso wie in der Astronomie Kant—Laplace längst.überholt und unmöglich ist, wie die Gravitationstheorieen sich fast monatlich ändern, wie der einst sehr groß verkündete Unterschied von anorganischer und organischer Chemie heute verschwimmt, wie die Geologie x-verschiedene Ansichten anfweist, von Anthropologie ganz zn schweigen, wie sogar in der so exakt gerühmten Mathematik nicht alles auf so festen Füßen steht wie eS den Anschein erweckt, so geht. es auf vielen anderen Gebieten. Ein durchgebildeter Kunstkritiker kann unmöglich auch nur alles die Malerei angehende vollkommen beherrschen, wieviel weniger ein Laie, der dazu in anderen Kunstzweigeu auch „gebildet" sein muß. Ich will hier nicht endlose Beispiele anführen. Die angefiihrten genügen vollkommen, nur die Unmöglichkeit einer wirklichen allgemeinen Bildung zu zeigen. Man kann in einem Jahre sich ausreichend für ein deutsches Turnfest vorberciten — vorausgesetzt, daß man iiberhaupt die Anlagen hat — nach weiteren zwei Jahren eventuell einen Preis holen, sich ferner im Fechten, Boxen, Reiten, Schwimmen, Laufen, Ringen üben — und man wird eine wirklich allseitige Körperausbildung haben, die befähigt, auf allen genannten Gebieten etwas Ansehnliches zu leisten, wenn man auch den Spezialisten im Boxen, Ringen, Laufen. Schwimmen, Rudern unterlegen sein wird. Eine solche nahezu vollkommene Körperausbildung ist mit der nötigen Energie und entsprechender Anlage zu erreichen. Fehlt die Anlage zn irgend einem Gebiet, so ist bei aller Energie nichts als Mittelmäßiges zu erzielen. Ein sehr groß gewachsener Mensch wird nie so gut turnen wie einer von Mittelgröße, und dieser wird gegen erstgenannten wiederum im Boxen nicht aufkommen können, wenn er gleichveranlagten gegenüber auch der Beste ist. Eine allseitige körperliche Ausbildung ist sehr wohl möglich — eine allseitige geistige nie. Diese wird sich stets nur auf die Anregung beschränken müssen, auf die Eröffnung von Möglichkeiten, nie aber wird sie alle diese Möglichkeiten gleichmäßig und ernsthaft in Angriff nehmen können. Solches bleibt nur ganz wenige» Vorbehalten, wie Goethe, Lionardo da Vinci und anderen in der Zeit der Renaissance Lebenden, denen man den Namen „Universalgenie" beigelegt hat. Die geistige Erziehung unserer Lage arbeitet viel zu planlos, zu vielseitig. Realwie Gymnasialbildung sind beide nicht das einzig Wahre, wie sie pon ihren Anhängern proklamiert werden. In der Oberrealschule lernt der Kaufmann zu wenig Sprachen und zuviel Naturwissenschaften, der „Naturwissenschaftler" zuviel Sprachliches und doch nicht genug Physik, Chemie usw. Im Gymnasium, das nicht nur auf Erlernung von Kenntnissen eingestellt ist, sondern vor allem der Schulung des Geistes dienen soll, wird ein Schüler auch nicht schärfer blickend und logischer denkend als ein Besucher der Realanstalt. . . . Soweit der „Geist". ......