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Blau-Weiss-Blätter · 1919-02-01 · 4 (2.1919) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
4 (2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Glaubt'S nur. ES ist wirklich keine apologetische Verdrehung der Tatsachen Lest rubig die Bibel. Sie birgt mehr Eigenes, als bloß „bie Ideen von der Einigkeit des Gottes", die ihr Neiffenberg großmütig zugesteht. Wenn ihr mit der Bibel fertig seid, mögt ihr euch mit dem hochstehenden. Monotheismus des Amenophis, mit dem Hammurabikodex, der Thiümatfrage, dem Gilgameschepos und dem AdapamythuS befassen, wenn'S euch interessiert. Aber, bitte, erst die Bibel! BreSlau Stephan Cohn Anmerkung der Schriftleitung Der Neifenbergsche Äufsatz im vorigen Heft hat eine ganze Reihe längerer und kürzerer Entgegnungen aus dem Blau-Weiß verursacht — mehr als die in dieser Zeit sonst eingelanfenen Beiträge zusammen. Viele unserer gesetzestreuen Gefährten haben in dem Aufsatz nur etwas Verncineudcs gesehen und nicht das Bejahende empfurrden, das er wenigstens geben wollte und um dessentwillen er geschrieben und gebracht worden ist. Es braucht wohl kaum betont zu werden, wie anßerord e n t l i ch jeder andere Blau-Weiße — und nicht zmn mindesten Schriftleitung und Bnndesteitung — es bedauert, daß gesetzcstrene Gefährten sichdurch den Aufsatz in ihrem religiösen Empfinden verletzt gefühlt haben. — Es zeigt sich hier bei der Art, wie man den Artikel empfunden hat, ganz deutlich, welchen Unterschied es ausmacht, ob man aus gesetzestrenem oder traditionslosem Hause stammt. Mali Wertheim schreibt dazu in einer an Reisenberg gerichteten Entgegnung sehr richtig: „Und jetzt zum Zweiten, warum ich die Person berühre. Ich glaube. Du und so viele andere, Ihr habt nichts von unserem frühen Erleben. Ihr wißt nicht, wie tagans tagein bei uns im Haus ein Geist weht, der von jener strengen Verbindlichkeit an das jüdische Gottesgesetz getragen ist. Und hier steht die Verschiedenheit unserer Erziehung zwischen uns. Die Erziehung läßt zuletzt etwas zurück, was uns wie ein Selbstverständliches vorkommt. Vergleiche das, was wir uns gegenüberstellen können! Auf Deiner Seite wird das Indische vielleicht zuletzt das Erlebnis, das explosiv eintritt, bei uns bildet sich langsam aber früh schon alles heraus . . ." Ich möchte das noch dahin ergänzen, daß dem traditionslos Ausgewachsenen, dem von Haus aus das Judentum deshalb mehr abstrakt, farbloser erscheint, das Erlebnis seines jüdischen Volkstums, seines jüdischen Menschseins ein stärkeres sein muß als dem in der Tradition Hcraüwachsenden, der es garnicht anders kannte, als daß Menschliches in jüdischer Form ausgeprägt wird, daß man ein jüdischer Mensch ist. Daß nun seine Jüdischkeit, die er als feilte tiefste Wesenhaftigkeit erlebt, scholl in unfernen Zeiten in Menschen von Fleisch und Blut Gestalt angenommen hat, daß Jüdisches als Menschliches — nicht bloß als reine Idee — schon damals atmete, diese dem traditionell Erzogenen selbstverständliche Tatsache, erregt in dem alldern leicht einen so starken Umschwung der Vorstellung, daß er dazu neigt, diese Vergangenheit seines Volkstums, seine Vergangenheit, nicht nur menschlich zu sehen, sondern aus Freude über diese Entdeckung das Volkshafte, n ur irdische. Bedingte zu überschätzen, Freude am Volkstum also, Liebe zum Volkstum, Bejahung ist es, was dem anders Aufgewachsenen Verneinung, Skepsis, erscheint. Diese Freude am Volkstümlichen führt nun weiter dazu, auch da nurmenschliches, irdisches — in ' 105

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