Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Krone und Zepter reitet Mordechai durch die Straßen Susas,- und Haman schreitet vor ihm, schreiend im heiseren Tone des Marktrufers: Kachah jeasseh latsch aschef hamelech chaphez bikaro („So geschieht dem Manne,, dem der König große Ehre antun will!") Gebrochen wankt Haman nach Hause, da wird er zum Gastmahl des Königs gerufen. Und Ester bricht ihr Schweigen. Blitzenden Auges deutet sie ans Haman und entlarvt ihn als den Verräter ihres Volkes. Isch rar w’ojew haman hanth haseh („Feind und Dränger ist dieser ruchlose Haman.") Und e8 jubelt die Stimme des greisen Vorlesers: Wajithiu clh haman ai-haes ascher hechija l’mard'chaj wchamath hamelech schachacbah. (..Da hängte man den Haman an den Galgen, den er errichtet dem Mordechai, und es legte sich der Grimm des Königs.") Verschwunden ist die enge Schwüle, die die Synagoge in der Zeit der Bedrängnis erfüllte. Wir atmen wie erlöst auf. Doch eins noch bedrückt uns. Die. Feinde der Juden sind gerüstet auf den 13. Adar, und es ist Gesetz in Susa: „Der Befehl, der geschrieben im Namen des Königs und gesiegelt worden mit seinem Ringe, kann nicht widerrufen werden." Da.jagen Boten durch das Land mit der Botschaft: „Der König erlaubt den Juden, sich zu versammeln in jeglicher Stadt und zu stehen für ihr Leben, zu vertilgen, zu schlagen und zu vernichten alle Kriegsmacht des Volkes und der Landschaft, die sie bedrängen würden." Und eL versammelten sich die Juden, und sie schlugen und würgten ihre Dränger. l.ajchadijrn hsjssak orah w’ssimchah w'ssasson wikar. (Bei den Juden herrschte Licht und Freude und Lust und Ehre). „Und Mordechai schrieb diese Begebenheit auf und sandte Botschaft an alle Jehudim in allen Landschaften des Königs, die nahen und fernen, einzusetzen und zu feiern den vierzehnten des Monats Adar und den fünfzehnten desselben MonatS Jahr für Jahr nach den Tagen, da sich die Jehudim Ruhe verschafft vor ihren Feinden, und nach dem Monat, der sich ihnen verwandelte ans Kummer in Freude, und ans Tagen der Trauer in gute Tage, — sie au feiern als Tage des Gast» mahls und der Lust, Geschenke zu schicken einer dem andern, und Gaben zu senden den Dürftigen." „Denn Haman, der Agagi, Bedränger aller Inden, hatte wider sie im Sinne, sie zu tilgen, und er ließ das Pin werfen, das ist das Los, sie zu verderben und zu vernichten. Und wie Ester zum König gegangen war, gibt er Befehl, es falle sein böser Anschlag, den er ersonnen gegen die Jehudiin, zurück auf fein Hmrpt. Und man hängte ihn und seine Söhne an den Galgen. Darum nannte man diese Tage „Purim", nach dem Namen Pur." Kij mard’chaj hajehudij mischneb lamelech achaschwerosch w*gadül lajehudijm w’razu i'row echaw doresch tow Famo w’dower schalom Fchal sara. Der Vorleser schließt in jubelndem Tone die Megilloh. Und wir ve.rlasserr freudig die Synagoge, erhoben und gestärkt vom Gottvertrauen unserer Ahnen. Wir sind stolz, daß sie ihren Feinden und Drängern mit dem. Schwerte mutig entgegengetreten sind. Und wir geloben, furchtlos den Hassern unseres Volkes M trotzen, gleich den Juden Persiens in den Tagen von Mordechai und Ester. München Gottfried Frankel