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Blau-Weiss-Blätter · 1918-04-01 · 6 (4.1918) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
6 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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saftiger. Aber eine Woche lang warteten sie noch, bis -er Westwind wieder «ine ergnickende Spende über sie goß, nnd nun konnte dort und da ein Zweig den Wut nicht halten, die goldenen füllen zerstoben, und unten um die kalten Silberstämme. tanzten 'smaragdene Falter, erst einige wenige, hier ein Trüppchen, dort ein Flug, bis ein langer Nachtregen kam, Scharen der grünen Schmetterlinge aus den Knospen lockte und das Astwerk mit einem grünen Gestimmer erfüllte, das sich von Tag zu Tag vermehrte, bis alle anderen Farben am Fimmel und am Boden davor verschwanden. Heute schon ist viel verschwunden, was gestern noch da war. Züngst standen die Stämme der Buchen troch so scharf abgerissen im roten Laube; jetzt verschmelzen sie gänzlich mit dem grünweißen Estrich. Ihr blankes Silber verlor seinen eisigen Blick, ihr giftiges Grün sein freches Starren, ihr unheimliches Schwarz sein böses Gesicht. Die Stechpalmenhorste zu ihren Füßen, die so frühlingsgrün aus dem Schnee lenchteten und so lustig aus dem toten Laube blitzten, sie bedeute» gar nichts mehr gegen das viele junge, weiche Grün ringsumher, Und wo sie noch sichtbar werden, wirken sie hart und lieblos. Der Frühling hat einen leichten Sinn und kurz ist sein Gedächtnis. Eben noch bot das rote Laub am Boden seinem ersten Grün einen herrlichen Hintergrund, heute schon schiebt er es beiseite, schämt er sich des Erbgutes des Winters und bedeckt es hastig mit tausenderlei Grün und hunderterlei Farbe, da»m't niemand merke, daß er all seine Schönheit und Frische und Jugend üern toten Laube und den welken Blättern zu verdanken habe, und alle Freude verläßt sein Antlitz, erinnert ihn der Gstwind mit rauhem Worte an seine Herkunft, mit roher Hand aus Grün und Blüten die vergilbten, vergessenen Erinnerungen zerrend. Dann schauert der Frühling zusammen und sieht zitternd in die fahle, trockene Zukunft. < . ■ Einen Augenblick später vergißt er die Angst vor ihr und schafft emsig weiter, Wunder neben Wunder stellend, mit liebreichen, weichen Händen. Di« harte, zackige Ranke der Brombeere schmückt er mit weichen, runden Flöckchen, er lockt ans dem steifen Holunderbusch .mildes Blattwerk, webt um düstere Bloospolfter einen lichten Schein, macht dem fchüchteriten Waldklee Wut, daß er sich im kalten Schalten der Fichten heroorwagt, rollt mit spielenden Fingern die ängstlichen Farrenwedel auf, verhüllt die sparrigen Lärchenbäumemit zartgrünen Schleiern, erweckt des Pfaffenhütchens Selbstbewußtsein, der Weide Ehrgeiz, der Erle Willenskraft und wägt sich schließlich sogar an die-

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