Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 6 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Maienwiese, aber so labt sie uns nicht, wie di« erste Blüte des braunen Waldbodens, wie das erste Blättchen am kahlen Zweig, und tönt im Mai auch der ganze Wald, fingt jeder Ast und klingt jeder Zweig, blüht jedes Fleckchen und glüht jedes Eckchen, das große Zauberwerk erhebt uns nicht so sehr wie di« winzigen Wunder, aus denen es entstand. Jedes von ihnen genossen wir einzeln, kosteten es für sich aus. Wir sahen das Windröschen mit demütig gebogenem halse sich durch das Fallaub stehlen, wartend und frierend, -bis die Sonne ihm Mut zusprach und ihm das blaffe Gesichtchen rötete, sahen den gelben Falter stiegen, den ersten, und unser Herz machte einen Sprung, und bei jedem, den wir sahen, sprang es hoch in die höhe. Der Grau» droffel Lied entdeckten wir und trugen es heim als einen großen Schatz. Jeder Tag brachte neue Wunder, liebe Gaben. Im kalten Gewirr« des Stangenholzes brannte eine grüne Flamme; dis Traubenkirsche schoß in das Laub und machte sich zum Mittelpunkte des ganzen Waldes. Wilde Eifersucht durchfuhr den Weißdorn. Unnahbar stand er da in grauer. Frostigkeit; nun aber platzten vor Grimm seine Knospen, neidisch grüne Blättchen quollen aus ihnen hervor und reckten und streckten sich um die Wette mit dem prahlenden Grün des Traubenkirschenbusches. Das Winterlaub der Buchenjugenden, das Alllaub der Brom» beerranken, die mit hartem Kupferglanz und schwerem Bronzeion weit und breit herrschten, merkten, daß ihre Tage gezählt sind, blaßten ab, schrumpften ein, verdrängt von quellenden Anospen; ihre Zeit ist um, ihr herbst ist da, ihre Todesstunde ist gekommen. In das vor, jahrslaub fällt Blatt um Blatt, und die Windröschen spreizen hastig ihre Blätter darüber. Und nun, aus Angst von der Rotbuche über» flügelt zu werden, drängt die Weißbuche sich vor, betont jeden ihrer Zweig« mit blitzendem Geschmeide, regt stch, rührt sich und hüllt sich in silbergrünes Gefunkel. Unwillig sieht es der Lbereschenbaum. Er schickt Befehle nach den entferntesten Wurzeln, treibt sie an, hetzt sie auf, und eifrig saugen sie aus Mulm und Moos Saft und Kraft und geben die Säfte dem Stamm« und die Kräfte den Zweigen, und ehe es sich die Hagebuche versteht, spreizt sich unter ihr, von oben bis unten in blankes Silber gekleidet, die Eberesche, funkelnd und gleißend im Sonnenlichte, stolz im Bewußtsein der allerschönste Baum zu sein im ganzen Walde. Der Ahorn aber öffnet seine Truhen, nimmt das goldene Seidenge» 2(5