Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 6 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ist. Zahlt dem Blau-Weiß und unserem Volke eure Schuld: gewinnt ihm Seelen. Ein jeder junger Jude hat ein Recht an unserer Jugend teilzunehmen. Denn Frühling will es werden ... Berlin Karl Glaser Die Tage der tausend Münder an» „Da -eantzen vor den» Tor" von Hermann LSn» Schon lange singt die Amsel im Garten, schon lange der Fink im Walde. Das Schneeglöckchen fiel müde um, tot liegt der Krokus im jungen Grase. Was die Amsel sang und der Fink schlug, was das Schneeglöckchen und der Krokus blühten, was Hasel, Erle und Espe stäubten, was die Märzmotte tanzte und der Frosch murrte, Vorfrühling war es, aber der Frühling nicht. Erst als das Lied der Singdroffel vom Lichenwipfel klang und über die ersten Grasspitzen im Walde der gelbe Falter taumelte, da zog der Frühling in das Land hinein, hüllte die Kornelkirsche in mattes Gold, hob jedes Zweiges braune Armseligkeit durch schimmernde Knospen und vollbrachte tagtäglich tausend schöne Wunder. Das ist schon lange her. Nicht mehr grüßen wir jedes grüne Blättchen mit frohen Augen, liebkosen nicht mehr jedes schwellende Knöspchen mit freundlichem Lächeln; es sind der Blätter zn viele und übergenug der Knospen, und da es überall singt und klingt, tanzt unser Herz nicht bei jedem Vogelliede, wie an jenem Tage, da die -erste Märzdrossel sang, der erste gelbe Falter flog, des ersten März» blümchens Blauaugen aus fahlein Laube sahen. Wir wurden der kleinen Wunder gewöhnt und sehnten das große Wunder herbei, das Wunder der Allbegrünung des Waldes, und wir zürnten dem Gst» wind, der dem Frühling die Hände band. Er hat es gut gemeint, Hai pfleglich gehandelt, daß «r dem Westwind wehrte und dem Regen und der Sonne die Kraft nahm. Des Menschen Herz wird allzuschnell satt, danklos wendet es sich am Ziele ab, achtet das lang ersehnte Geschenk gering und dürstet nach -er Wonne der Vorfreude. Eilig ist die Jugend, kurz ist der Frühling; was heute weich und frisch ist, ist morgen hart und staubig. Der Gstwind wußte, was er lat, als er den Vorfrühling feßhielt und den Frühling warten hieß. herrlich ist der Frühling und prächtig ist der Mai, aber so süß wie der Vorfrühling, so köstlich ist er nicht. Wonnig ist die goldene 21«