Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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hasten Volkes, er allein wissend, er allein leidend. Er ist der Wächter auf der Mauer, der daL Verderbeil sieht: Wacht ans! Wacht ans! Empor! Empor! Brand ist im Land! Feind hat die Stadt, Flüchtet, eh' er ench ganz vernichtet... Seine ganze Seele ist mit diesen sorglosen, kindlich-ruchlosen Menschen, sein ganzes Herz bei diesem Jerusalem, bcm er Verderben und Untergang weissagt. O, könnte er einmal sein, wie diese Ewig-Blinden, die nicht seben, was ist, die ihn schmähen und martern, weil er sie warnt und ihnen den Weg der Rettung weisen will. Er seufzt unter dem Dienste, den Gott ihm auferlegt, furchtbar leidet er» aber er gehorcht; denn er ist nur ein Werkzeug Gottes, sein Hauch .... In ihn ist Gottes Wort gefahren, „wie das Feuer vom Steine fährt", und er fühlt die Macht des furchtbaren Herrn über sich, der er willenlos gehorchen muß. So ist er, der Berufene, unglücklich und tausendfach elend in seiner Größe, die ihn nicht weichen und nicht wanken läßt vom Dienste, und stände auch die Welt wider ihn. Als aber sein Wort in Erfüllung geht, als die ehedem Uebermutigen und Sorglosen verzagen, da wächst Jeremias zu erhabener Größe. Auf den Trümmern Jerusalems wird er zum Tröster und Erwecker, in Mitleid, Ehrfurcht und Kraft. In tiefster Not findet er sich und seinem Volke den gütigen Gott. Ein jüdischer Held. Buch von den polnischen Inden HerauSgegcben von S. I. Agnon und Ahron Eliasberg. lt)16. Indischer Verlag, Berlin.' Ein Samrnclbnch. Aber was sonst Schwäche ist, wird hier zur Stärke. ES ist kein Werk über die polnischen Juden; hier redet das Volk selbst, was es erlebt und erduldet, was es dichtet und denkt. Seine Bauten und seine Gesetze, Leben und Art werden uns so deutlich, als gäbe es keine Schranken zwischen uns und unseren östlichen Brüdern. Man muß diese Menschen lieben. Ihren stillen, nachdenklichen Humor — lest die beiden Geschichten von Agnon — ihre Güte und die Glut ihrer Herzen, die in all ihrem Elend sie zu wahren Gotteskämpfern macht, ihre stets wache Phantasie, die ihr ganzes Leben umrankt und in tausend Sagen und Märchen lebendig wird. Dre Bilder, mit denen das Buch geschmückt ist, sind gut; interessant sind besonders die Proben von Synagogenarchitektnr, die uns ermutigen sollten, in Deutschland nach Aehnlichem Ausschau zu halten. DaS Buch ist es wert, gelesen zu werden. 3m 1. Heft deS ^Deutschen Wandervogels" (7. Jhrg. 1917) schreibt Leni Overlach über Spurenlesen: ,M war auf einer Fahrt. Neuschnee war in der Nacht gefallen. Wir stapften fröhlich durch den Wald. „Da läuft was", ruft eine, und wir sehen gerade noch das braune Fell eines Hasen, der im Dickicht verschwindet. Wir hinterher; können l-s