Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Wr die Berufsgliederung der Juden im Blau-Weiß naturgemäß besonders stark ist, dringe ich einige Abschnitte aus dembemerkenswerten Aufsätze: «Rffch den neuesten Veröffentlichungen der k. k, statistischen Zentralkommisstoff leben in Oesterreich 110 781 Juden vom landwirtschaftlichen Erwerb, was cm 8,4^ der jüdischen Bevölkerung im ganzen Staate ausmacht. Äon einer jüdischen Landwirtschaft sind wir in diesem Staate um so eher berechtigt zu sprechen, als ja fast ein Zehntel aller jüdischen Berufstätigen in Oesterreich in der Landwirtschaft arbeiten (9,6 °/0 aller berufstätigen Juden). Der Schwerpunkt dieser jüdischen Bemfsart liegt aber in Galizien. Von den 110781 landwirtschaftlich berufszngehörigen Juden in Oesterreich entfallen 93 471 auf Galizien; der kleine Rest verteilt sich auf die anderen Kronländer. In der Tat zählt die Landwirtschaft in Galizien beinahe 11 °/0 (10,2°/o beß jüdischen Elementes) und wird, was diese Prozentnorm anbelangt, nur noch von der Bukowina übertroffen, welche 12,06 % landwirtschaftlich berufszugehörige Jude» besitzt." Der. Artikel bringt dann eine ganze Anzahl von Tabellen, aus denen hervor» geht, ^daß der überwiegend größere Teil der jüdischen Landwirte — nämlich 62484 Personen — im Ackerbau tätig ist", auf die Forstwirtschaft entfallen 1220, auf die Fischerei dagegen nur 100 Juden. Tenenbaum geht dann weiter auf die Berufsgliederung der landwirtschaftlich tätigen Juden ein und zeigt, „daß wir in Galizien nicht nur an Selbstständigen, sondern auch an jüdischen Arbeitern und Tagelöhnern den Nichtjuden verhältnismäßig überlegen sind, wobei unsere Relation dieser beiden Schichten zusammengenommen um 7% höher ist als die der Gesamtbevölkerung, lind wenn wir auch keineswegs verkennen wollen, daß die Zustände in der galizischen Landwirtschaft zu trostlos sind, um sie als Exempel hinstellen zu können, so ist doch die Tatsache, baß wir in Galizien einen so hohen Prozentsatz in der Arbeiterklasse einnehmen, wohl der schlagendste Beweis unserer physischen Arbeit an der Scholle." Inr Jüdischen Verlag erscheint zrr Lhanrrkkah ein hebräisches Quartettspiel, das nach dem Muster der bekannten Dichter- und Komponistenquartette gehalten ist und in gleicher Weise gespielt wird. Der Text stammt von Herrn Lubmann, die Bilder zeichnen sich vorteilhaft von denen anderer hebräischer Lehr- oder Spielmittel aus. — Da ist eine entzückend schiefe Straße, eine putzige Gliederpuppe, ein feierlicher Vorbeter, da sind Flaschen und Laternen, Apothekerwaren und Küchengeräte, Teppiche und Reifen, eine elektrische Bahn und eine ewige Lampe — kurz alles Dinge, an denen einen das Leben täglich vorüber fiihrt, die man auf Deutsch sehr wohl zu nennen weiß, deren hebräische Namen man aber zumeist nicht kennt; sogar dann nicht, wenn man schon ganz schwierige Bibelstücke übersetzen kann. Hier aber findet man sie und braucht sie nicht einmal zu lernen; man muß nur einige Male auf dem Heimabend das Quartett vornehmen und spielen, was jedenfalls Vergnügen macht. Dann würde man schon ein arger Dummkopf sein, wollte man die paar Vokabeln nicht behalten. — Ebenso dankenswert wie die Herausgabe des hübschen Spieles aber ist die Anregung, die damit gegeben wird. Man kann sich solche Quartette und ähnliche Spiele sehr leicht selbst Herstellen: da müßt ihr Wanderer eben die Bilder zeichnen und austuschen, den Text erfinden und nach neuen Ideen ausschauen.