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Blau-Weiss-Blätter · 1917-12-01 · 4 (12.1917) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
4 (12.1917)
Date
1917-12-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Cffcatcv viel Vergnügen macht es, auf längerer Rast Theater zu spielen. Die Bühne ist etwa eine malerische Lichtung im Walde mit einem Gebüsch im Hintergründe, in dem die abtretenden Schauspieler verschwinden können. Die Requisiten sind durch die Umstände bestimmt: Blumen und Schilf find Schmuck, Stocke als Speer oder Schwert, Kochtopfdeckel Schilde, Hordentöpfe Helme. Der Umhang wird zum faltigen Gewände, und eine gewisse Nacktheit ist für Darsteller der Antike das allerbeste Kostüm, was sonst noch fehlt, muß man fich denken; und man kann fich in dem Bewußtsein trösten, daß es die ersten Zuschauer Shakespeares nur wenig besser gehabt haben. Anstatt weiterer Erklärungen sei ganz kurz der Inhalt eines Stückes wiedergegeben, das wir neulich in Drewitz aufgeführt haben. Die Vorstellung war ausgezeichnet besetzt, da sowohl männliches als auch weibliches Personal mitwirkte. Die Schauspieler waren sogar begabt genug, fast durchgehend Verse zu improvisieren, die freilich manchmal vor dem Richterstuhl der poefie keine Gnade gefunden hätten. Das Schauspiel hieß David und Goliath. Szene nach berühmten Mustern im Himmel, freilich im philisterhimmel. Dagon klagt fürchterlich über das Unheil, das die Kinder Israel seit Srmson seinem Dolke antaten und schließt: „Jetzt weiß ich nicht mehr ein noch aus. Und ob mein Volk auch kläglich schreit. Ich kann nichts tun; es tut mir leid. Denn bald fliegt meine Göttlichkeit Höchstselbst zum eignen Tempel raus." Leine Frau Astarte tröstet ihn und rät ihm, ein Ungetüm zu schassen, das alle Welt in Schrecken setzen wird. Dagon greift <den Gedanken auf, erklärt aber, da er micht Gott sondern nur ein Götze sei, diesem Wesen kein Herz, sondern nur ei« Scheindasein geben zu können. Sobald jemand wirklich mutig das Scheusal bestehen würde, müßte es jämmerlich zu Grunde gehen. Astarte rät ihm jedoch zu; ein jeder würde das Ungetüm fürchten. Da erscheint ein Engel Gottes und warnt ihn, dem Schöpfer ins Handwerk zu pfuschen, würde er es dennoch versuchen, so würde sein Reich nnt dem Untergang seines Geschöpfes zusammenbrechen. Dagon trumpft von Astarte gestachelt auf, weigert fich die Warnung z» beachten und schafft den Goliath mit abenteuerlichen Handbewegungen, die -unseren Längsten, der in einem Loch am Boden unter einem Umhang gelegen hat, langsam in seiner ganzen Größe hervorzaubern. 2. Szene: Heerlager der Israeliten. Goliath tritt auf mit Schild und Lpeer und brüllt: „Ich bin der Riese Goliath, Der stets die Juden verhauen hat. Mein Spieß ist lang und groß mein Maul. Ich lache über König Saul, Und wer es wagt mich zu bestehn, Der soll sogleich zur Hölle gehnl Heraus Mann für Mann.

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