Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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-er unseine Familie. Unten wohnten seine Esel, Schafe und Hühner. Seine Gattin, eine junge Frau mit verschleiertem Antlitz, brachte die Matte und breitete sie vor dem hause im Schalten aus. Me vier Rinder des Fellachen, alle augenkrank, kamen zu uns heran und wüßten Abraham die Hand. Erst nachdem wir Raffee getrunken hatten, verabschiedeten wir uns von dem Hausherrn, der uns bis zur Tenne begleitete. Dort standen unter einem Brunnen das Pferd und der Esel. Auch eine kleine Gruppe von Soldaten fanden wir dort, Sie saßen auf einer Blatte und taten ganz, als ob sie zu Hanse wären. Sie waren barfuß, in zerrissenen, schmutzigen Uniformen. Einer von ihnen, ein schöner, ehrfupchtgebietender Greis, sah wie ein Mascha aus. Der Alte sprang auf und stellte sich kerzengerade vor Abraham Hin. Die Anderen — hinter ihn. Sie standen da wie Rinder, die auf den Befehl des Lehrers warten, und ihre Augen sprachen: Wir 'sind auf alles gefaßt. „Hunde!" sagte Abraham zu mir, „find hierher gekommen wie die Raubvögel auf ein Aas. Unersättliche Blutegel. Jeden Tag überfallen sie die Dörfler: Gib uns Schafe, Hühner, Eier, Butter. -Wenn Du nicht gibst, prügeln wir Dich durch!" Verächtlich erwiderte Abraham ihren Gruß, bestieg fein Pferd — und ich meinen Esel. Der Tag sank schon, als wir die Tenne verließen und in der Steppe ankamen. Wie vorher war hier Schweigen und Einsamkeit. Von fernher waren noch di« Ramelherden sichtbar, Truppen gleich. Sie kehrten vom Andsche zurück. Und wie vorher lag auf dem Hügel das zarte, junge, Helle Ramel, die Schelle um den hals. Den ganzen Weg hindurch schwiegen wir. Ueber unfern Pfad ^strichen lange, kalte Schatten. Abraham ritt vor mir. Wie vorher saß er fest und aufrecht im Sattel. Wann und Roß wie zu einem Rörper verwachsen. Ich blickte ihn an und dacht«: Wer weiß, vielleicht träumt er von der Wiedergeburt unseres Volkes ... Wer weiß, vielleicht wird der Same, den die Bilu und nach ihnen der «koel Hazalr“ gesät haben, schwere Frucht tragen . . . Ist nicht Abraham das lebendige Beispiel eines solchen Menschen, der sein Leben ans Leben des Volkes kettet ... 7