Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1917-12-01 · 4 (12.1917) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
4 (12.1917)
Date
1917-12-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2425321-3181713-3181717--0888-3182682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Und die Ewigkeit streckte ihre kalte Hand gegen den Augenblick ans, um ihn zu zermalmen. Doch er entschlüpfte ihr, sprang ihr auf die Hand, auf Schulter und Arm, bald hier, bald da, sodaß die Ewigkeit ihn nicht ergreifen konnte. plötzlich ertönte die Stimme Gottes, der im Garten wandelte. Da erschraken fie beide, die Ewigkeit und der Augenblick, und erstarrten zusammen aneinander hangend in ehrfürchtiger Scheu und einiger Liebe. And der Augenblick ward immer größer und strahlender unter dem Glanze der erhabenen Augen der Ewigkeit. Und das Anlitz der Ewigkeit sog Jugend und frischer Farben Pracht von dem Augenblick «in, der auf ihren Anieen blühte. Eva sucht Abel. And Eva konnte den Tod ihres Sohnes Abel nicht fasten und verstand ihn nicht. Und fie tröstete stch: „Er schläft ja nur und wird gewiß erwachen." Und fie nahm von den Früchten des Baumes und legte fie neben den Erdhügel, unter dem Abel ruhte, damit er nicht hungere, wenn er aufstünde. Und am nächsten Morgen kehrte fie zu -er Stelle zurück, und stehe, die Früchte lagen noch ganz da, nicht» fehlte. Da ward 'ihr Herz so traurig, und fie kniete vor dem Hügel nieder und rief: „Abel, Abel, mein Lohn, steh doch auf!" Doch als keine Antwort kam, da erhob fie fich, legte noch Früchte zu den ersten- und ging weinend von dannen. So tat fie auch am dritten Tage. Doch wie jubelte ihr Herz, als fie am vierten wiederkehrte und die Früchte verschwunden waren. Das war ihr ein Zeichen, daß ihr Sohn doch lebte und zu ihr wiederkehren würde. Und im Geiste sah fie noch immer ihren Sohn Abel, wie er vor ihr herging, die Schafe weidend, und dann zu ihr kam, fich ihr zu Füßen setzte und fie nach Gott und dem Garten Eden fragte und nach dem Baum der Erkenntnis und dem Baum des Lebens in dem Garten und nach dem Wege, der zum Baum des Lebens führe. Und einmal hörte fie die Stimme ihres Sohnes, der zu ihr rief: „Mutter!" Und fie erbebte, wandte fich her und hin und rief: „Abel, wo bist Du?" Und fie ging und suchte auf dem Felde und in den Felsenschluchten ringsumher und kannte keine Ruh. Und als viele Tage vergangen waren und Abel nicht kam, da ward ihr Geist sehr trübe und ihre Aräfte ließen nach, und fie saß starr und wartend am Eingang des Tales, und die hungrigen Bergesraben stiegen herab und umschwebten ihr Haupt. Und in einer Nacht, da träumte fie, wie Abel auf den Amen lag und betete und zu Gott sang und wie fie von Ferne stand und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.