Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kessel hatte das Schiff und fraß von Stettin bis Breslau 2000 Zentner Kohlen! Die Kabinen der Mannschaften waren richtige, kleine Zimmer, die sehr nett aussahen. Das alles sahen wir uns noch zusammen an; dann ging jeder für sich. Der eine ging wieder zur Maschine, der andere ging zur Mannschaft, und so strolchte jeder im Schiff rum. Ich ging rauf zum Steuermann. Da oben in dem Aasten bei dem Steuer sitzt es sich fein. (Bild (.); der Wind kann nicht so hinein, wie er sicher gern möchte und man kann ungestört drin sitzen, sehen. und sich freuen. Wir halten fast immer Sonne und blauen Himmel: es war herrlich. Ich habe auch die meiste Zeit der Fahrt da oben verfahren. Und wie schön kann man da träumen, oder sehen, oder sich mit dein Steuermann unterhalten. Der war ein Prachtmensch, Eine richtige, alte, gutmütige Wasserratte, mit ihm habe ich manches Stündchen verplaudert. Einmal fragte ich ihn, ob er denn so recht mit seinem Beruf zufrieden sei und ob der ihn ganz ausfülle. Er wurde da ziemlich traurig und erzählte dann langsam wieviel lieber er doch in seinem Häuschen in Blumberg bleiben würde und Bauer sein. Außerdem glaubte er, hänge an dein Namen des Schiffers «in unehrenhafter Klang, -er hauptsächlich durch die Heizer und Schlepper eingeführt werde-. Und so schüttete er langsam sein Herz aus. Ich wurde ganz froh und dankbar, wie treu und zutraulich er mir das erzählte. — Bald zeigte er mir einiges vom Steuern und bald durfte ich auch steuern. Es ist ein schönes Gefühl, die Macht über ein so großes Schiff durch das Steuern zu haben.-Es kam mir bei der Wärme ganz komisch vor, daß noch große Eisstücke an den Ufern lagen, die letzten Ueberreste des Winters; denn sonst war herrlicher Frühling mit ganz warmer Sonne und fröhlichem Himmel, auch hatten wir schon die ersten Störche gesehen und beim Wandern vorher sogar Kohlweißlinge und Zitronenfalter. — Langsam zogen die Gderstädtchen vorüber, die sich mit ihren stolzen, gotischen Kirchen, behaglich sonnten. — Nach dem Essen legten wir uns aufs Sonnendeck und aalten uns; blinzelten, als wir unter den Brücken von Frankfurt durchfuhren, die Leute an und bewegten vor Faulheit kaum di« Augen. — — Gegen Abend hielten wir in Küstrin, um dort zu übernachten. Wir zogen uns an und gingen nach Küstrin rein. Eine richtige Kleinstadt mit Rummel, Pennälern, Kriegerdenkmal und sonstigem Stadtzeug. Wir kauften uns vor allen Dingen schnell eine K-Saite für die Klampfe und gingen wieder aufs Schiff zurück. Abends spielten wir der Mannschaft unsere Lieder vor und'machten es uns recht gemütlich — —? Am anderen Morgen gab es «ine schöne Ausfahrt aus Küstrin. Si