Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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waren ungefähr noch 3S0 Frcs. übrig geblieben. Aber was bedeutet -dies« Summe wenn ft« auf 80—AO Arbeiter verteilt werden muß, <ihre Familien nicht mitgerechnet) Leute, die nicht einmal für einen Tag Brot hatten! Und noch schlimmer als das war die schlimme Lage des Arbeitsmarktes. Es gab keine Arbeit! In anderen Jahren beginnen um diese Zeit die Vorbereitungen zur Ernte, die Arbeit im Weinkeller vermehrt sich und eiitige Arbeiter werden als Wächter verwandt. In diesem Jahre aber brauchten die Weingärten keine Wächter, alle Arbeiter gingen herunt und taten nichts. Angesichts dieser Lage übergab der Waad die Leitung der Arbeiterangelegenheiten dem Arbeitsausschuß des amerikanischen Hilfsfonds. Sofort wurde den Arbeitern geholfen, der Ausschuß lictj Privatleuten 1000 Frcs. und dafür sollten sie Notstandsarbeiten ansfahren. Es fanden sich auch einige Arbeitgeber. Als aber das Geld des amerikanischen Hilfsfond immer mehr zusammenschinolz, die Arbeitgeber aus ihrer Tasche nichts bezahlten, die einenweil sienicht konnten, die andern, weil sie nicht wollten, wurde die Lage sehr schwer und niederdrückend. Jeden Tag mußten sie gewärtig sein, ohne Brot dazustehen. Uredit wurde in solch' beschränktem Maße gewährt, daß es nur mit Mühe zu einem Stückchen Brot ausreichte. Und als gar das Bargeld zu Ende war, titußte inan Mal für Mal lange nach einem Sack Mehl suchen. Und wenn man nach langent Bitten einen Teil davon bekam, so war man schon mehr schuldig, als das neue Mehl ausmachte. Die Jemeniten bekamen nach langem Warten \2—!8 Pfund Mehl, um die Seelen ihres Hauses zu erfrische«» und unter ihnen gab es viele Familien, die nnr eininal in 24 Stunden trocknes, schwarzes Brot aßen. Bei dieser Ernähru««g den ganzen Tag auf dem Felde zu arbeiten, war nicht leicht. Aber schlimmer noch als alles, war die Schmach: Der Arbeiter, der tagsüber im Schweiße feines Angesichts gearbeitet hatte, der mußte nachher zu den verschiedenen Institutionen gehen, um für den Arbeitgeber ein Darlehen zu erbitten, damit er ih>n seine Arbeit bezahl«. Und der Arbeitgeber saß ruhig, ohne Sorge in seinem Haus«. Denn so war es von Anfang an abgemacht, daß er nur eilte Anweisung gebe, di« der amerikanische Hilfsfond einlöste, und schon das rechnete er sich als Verdienst an, „er sorgte für seine Brüder, er gab ihnen die Erlaubnis in seinem Weinberg zu arbeiten . . . .* Diese bedrückende Lage hatte auf die Arbeiter auch schlechten Einfluß, die Verzweiflung wuchs, und vollkommene Intereffenlosigkeit allen Angelegenheiten des Lebens gegenüber bemächtigte sich ihrer. Wer die Möglichkeit hatte, verließ di« u