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Blau-Weiss-Blätter · 1916-12-01 · 4 (12.1916) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
4 (12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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* auf und schritt zum Beth Lhajim, den» Friedhof, um an» Grabe de». Schülers zu weinen. Schon steckte er den Schlüffe! in das verrostete Schloß, eben wollte er öffnen — da sprang das pförtchen von selbst auf und im kalten Glanz des Mondes stand eine hohe, bleiche Gestalt in grauem Gewände, ein Pergament in der Rechten. Da war es den» Rabbi, als wollte er versinken in unendlicher Sehnsucht, da schien es ihm, als streckte der tote Freund ihm die Hände entgegen — doch schon dacht« er der Vielen, für die erlebte, u»»d denen er die letzte Stütze war, und sein Herz wurde stark, daß er dem Bleichen unverzagt ins Gesicht blickte. Der aber hob die Rechte gegen ihn, geheimnisvoll leuchtete die Rolle in seiner Hand, da griff der Rabbi zu und entriß den» Entsetzlichen das Pergament. Und während die graue Gestalt in Nebel zerfloß, erschollen schwer und dunkel die Worte: Diesmal entgingst Du mir; hüte Dich, hüte Dich vor de»»» nächsten Begegnen. Nachdenklich kehrte der Rabbi vom Friedhof zrirück. Im Aceise seiner Jünger öffnete er die Rolle; da stand sein Naine ausgezeichnet auf dem Gelb des pergan»entes in der helleuchtenden Schrift. Schwei« gend scharrten die Schüler auf den Meister, der aber erhob seine Stimme und pries den Herrn »rnd sang und betete bis zun» Morgen. An diesen» Tage erlosch die Leuche in der Stadt .. Jahre vergingen; der Rabbi wurde alt und grau, aber seine Seele blühte in einer ewigen, heiligen Jugend, ur»d die Geheimnisse des Himmels und der Grd« waren offen vor der Schärfe seines Geistes. Aber durch all die Zeit spürte er den Tod um. sich, er hörte das Rauschen d»«nkeler Fittich« und lauschte in schwarzen Nächten dem picken des Totenwurms in den alten Truhen. Ec aber blieb heiler und ruhig all seine Zeit und war nur ein Wille in ih»n, Gott zu dienen und zu versinken in der ewigen Allmacht. Da vern»ochte der Würger nichts wider ihn. Ginmal aber feierte der Rabbi ein Fest im Areise seiner Jünger und inmitten allen Volkes, das ihn bewunderte und verehrte. Der himinel war blau und hell, i»n Garten schlugen die Vögel, es blühten hie Blumen, weiße Schwäne zogen auf den silbernen Wellen des Sees. Da dachte der Greis der Tag« seiner Jugend, und daß er allem übrig war von all den«»»,, -re ihm einst lieb gewesen wäre»». Und wieder war ein stilles Sehnen in ihm, wie in jener. Nacht an der; düsteren Pforte, des Beth Thajim und müder Schmerz, der die ruhige Heiterkeit verzehrte, die seine Araft war und der Trost der Welt. Da zog es ihn fort ans der Schar der Fröhlichen zu hem stillen ft»

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