Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 3 (10.1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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bildete sich; durch die Menge schritt die Königin Bathseba neben Scrlomo, ihrem Sohne, hinter ihr ging der Prophet Nathan. Als die Fürstin den König sah, begann sie zu schlucken: „Mein Herr und Gatte, mein Herr und Gatte." Adonia war aufgesprungen beim Anblick des Bruders. Sein Antlitz war bleich vor Zorn, rot stimmerts der haß vor seinen Augen. Er drängte das Weib zur Seite, sodaß er Salomo gegenübcrstand, Gesicht zu Gesicht. Sein ganzes Wesen, sein Körper empörte sich gegen den stolzen und ernsten Jüngling, der seinen Blicken, nicht auswich. Ihn ärgerte die Jugend und Reinheit des anderen zum Ersticken, und er hätte diese schlanken Glieder, die herb und süß wie die eines Mädchens waren, mit den erzgeschienten Füßen zertreten mögen, plötzlich wandte er sich zum König. Er war heiser vor Erregung und sprach mit geballten Fäusten. Er verlangte die Herrschaft als Krieger und Einer, der des Reiches Macht mehren würde. „Was soll der Knabe auf Israels Stuhl, auf dem Helden saßen?" Er verglich sich dem Bruder und fand Worte der Verachtung für den Schützling der Pfaffen. Er schloß mit der Forderung: „Herr soll der Stärkste sein!" „Mein sei die Krone!" David redete. Seine Stimme klang sehr verändert. Er holte die Worte aus Tiefen, die Lebenden sonst verschlossen find. Er sprach mit Menschen, die längst tot waren, als ständen sie vor ihm. Er reckte die Hand gegen Adonia, den der Kronreif immer noch schmückte. „Wie oft verrätst Du mich, mein Sohn Absalom?" Schwer und hart tonten die Worte; der König hatte sich erhoben und stand aufrecht, ganz im Sonnenlichte, das nur ihn umstrahlte und alles sonst dunkel ließ: Er war der Richter und sein Urteil war Vernichtung. Aus einmal schärfte sich sein Blick, die Starrheit seiner Züge wich, er erkannte die Umstehenden. Mit einer unsagbar gütigen Bewegung zog er Salomo an sich. „Mein Sohn, mein lieber Sohn." Da sauste es blank durch die Luft, die Planken krachten, dicht vor Salomo bohrte sich Adonias Schwert in den Boden. Wie sinnlos stülpte der Täter davon. Segnend berührte David des Knaben Haupt: „Dir leg' ich auf die Seels Israels Geschick. Sei stark und gut! Die Zeit bes Aufbaus ist vorbei; es gilt erhalten! Nur Einer konnte schaffen; das Bewahren sei Aller Werk. Ein Staat ist geworden; ein Volk soll werden. Kraft hat verbunden, Geist soll verschmelzen. Das ist Dein Erbe, Salomo. Sei glücklich und herrsche!" Des Königs Züge wurden stolz und ruhig. Noch stand er aufrecht^. Er lächelte. Dann fiel er lautlos und ohne Kampf zusammen. Abisag von Sunem hielt das Haupt des Toten im Schoß. Sie