Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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ungemein lieblich — je höher man hinauftommt, depo schöner wird der Ausblick. Am Dienstag sind wir nach Dresden gefahren, wovon ich freilich nicht viel gehabthabe; denn um r/,2 Uhr waren wir dort und um 2** Uhr ging mein Zug. Ich^ konnte nicht einmal Mittag essen, sondern mußte schnell zum Bahnhof.' Auf der Fahrt wurde ich aber für alles entschädigt; denn erstens schlemmten wir so ungeheuer, daß wir schon sagen konnten, wir haben Butter und Marmelade mit Brot belegt und gegessen; zweitens hatte wqlter Fischer ein wunderbares Buch von Zweig bei sich, das „Ritualmord Ln Ungarn" heißt. Waller Fischer und ich haben das ganze Buch gleich auf einmal ausgelesen, so schön ist es l Und nun fitze ich wieder zu Haufe, und das ist gärnicht schön.. Berlin Eva Oppenheimer Rund um Sichern Ich saß in Jerusalem und wollte nach Norden. Am bequemsten sei es, so wurde uns gesagt, wenn wir mit einer Diligence nach Nablus führen, einer Stadt, — der Name ist eine Umbildung de» hellenistischen Neapolis, — die in der Nähe des alten Lichem liegt, zwischen Ebal und Garisim. Ich ließ also den Kutschern Bescheid sagen und hofft« auf mein gutes Glück. In solchen Fällen führt im Grient Ruhe und Gelassenheit eher zum Ziele, als die genaueste vor» sorge und Verabredung. Richtig, ani nächsten Morgen um sechs erhalle ich Bescheid, eine Diligence nach Nablus steht vor der Tür. Leider muß ich noch meinen Reisegefährten, Hermann Badt, benachrichtigen, ich sage also dem Kutscher, er solle sich noch kurze Zeit gedulden. Um halb sieben kommt er wieder. Ich lasse ihm sagen, wir seien erst gegen acht so weit, er solle nur ohne uns fahren. Um sieben tritt er wieder an, ich kann ihm nur meinen letzten Bescheid wiederholen. Endlich gegen acht sind wir fertig, beide sehr betrübt, daß jedenfalls die eine Diligence schon fort ist. Aber nein, der Kutscher kommt wieder, und wir fahren vergnügt ab. Nach einer Viertelstunde hält er in einer Vorstadt. Zwei Damen steigen zu uns in den Wagen und halten ihm aufgeregte englische Reden, über seine orientalische Un» Pünktlichkeit, durch die sie zwei Stunden lang reisefertig auf ihn warten mußten. Vermutlich richtet sich ihr Ingrimm auch gegen uns,. Der Kutscher aber kümmert sich wenig um sie und setzt gleichmütig seine Pferde in Trab. Die. Heiden Damen, Mutter. und > Tochter, Engländerinnen aus Australien, sind weitgereist« Leute..' Wir sehen, wie sie zuweilen einen ebenso zärtlichen wie stolzen, Blick auf ein verhangenes Päckchen werfen, st