Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Grundstück, das uns der Vater unseres Leipziger Führers Theo Neumann zur Verfügung stellte, erwies sich als über Erwarte« geeignet. Schwer zu denken, was geworden wäre, hätten wir nicht derartiges gefunden. Als uns Ginsberg, den wir nach Lockwitz ge« schickt hatten, erzählte: Makkaronifabrik, wurden wir trotz seiner Begeisterung mißtrauisch. Als wir die beiden freundlichen Häuser im Vordergrund, das alte, garnicht aufdringliche Fabrikgebäude dahinter sahen, waren wir freudig überrascht. Die Hauptsache war freilich der Berg, unser Berg, mit der Beratnngsterraffe und ihrem schwierigen Zugang, und der breiten, sanft ansteigenden Kuppe, von der man hinübersehen konnte bis zu den fernen höhen der Sächsischen Schweiz. Die Organisation des Blau-Weißtages war schwierig. Im Frieden mag das ja leicht sein, was es heißt, in dieser Zeit ein paar hundert Mann zu beherbergen und zu verpflegen, ist kaum zu erzählen. — Die Bundesleitung versah sich mit Lebensmitteln; ergatterte irgendwo Stroh, besorgte irgendwie Brot, kaufte vom Gemeindevorsteher Kartoffeln und von den Bauern Holz. Natürlich war das Stroh knapp, das Holz zu reichlich, die Brotbeschaffung ließ sich nur unter Schwierigkeiten regeln — aber es ging. Ein Miniaturstaat war in Lockwitz entstanden mit amtlichen Stellen, Büros und Verordnungen, ein Gemeinwesen von Bürgern, die überallher zusammengekommen waren. Dennoch hat sich — wenige ausgenommen — jeder gefügt und Unbequemlichkeiten, Beschränkungen, ja wohl auch Langeweile in Kauf genommen um des Ganzen willen. Bis zum Sonntag halten die .Berliner die Alleinherrschaft in Lockwitz. Dann trafen kurz nach einander die andern ein. Ich glaube, wir waren alle nicht wenig «rregt an jenem Vormittag. Erst war es nur Spannung: wie sehen sie aus, was find es für Menschen? — und dann wurde es «in Gefühl tiefer, dankbarer Freude. Wir kannten uns ja alle aus Briefen, aus einem nie stockenden Austausch der Gedanken, hatten von einander die Ueberzeugung, daß dieselbe» Dinge uns bewegten. Aber daß wir mit einander sprechen sollten, Auge in Auge, daß wir unsere Freuden und Sorgen einander Mitteilen und unmittelbarer als je empfinden dursten, daß wir Freunde sind trotz aller Meinungsverschiedenheiten oder gerade wegen der Meinungsverschiedenheiten, die zeigten, wie ernst uns unsere Sache 2<