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Blau-Weiss-Blätter · 1916-06-01 · 1 (6.1916) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
1 (6.1916)
Date
1916-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Es war ein sephardischer Rabbiner. Von seiner Kerze beleuchtet, hob er sich scharf von der Dunkelheit ab, «ine hohe Gestalt, ein edles, gebräuntes Gesicht umrahmt von dem roten Turban. Er sagte einen Abschnitt aus dem % Buche Moses mit solch wohlklingender, inniger Stimme, daß das Schluchzen, Beten und Schreien aufhörte und alle lauschten, als hörten sie eine Stimme von oben. Und so beteten die Juden an diesem Tage tief unten in der Erd«, bis der Abend kam. Dann zog man heim, müde und matt und doch erfüll! von einer großen Hoffnung. Es war nach Mitternacht. Alles schlief, kein kaut war zu vernehmen. Ich schrecke zusammen, über meinem Kopfe höre ich kaute, als husche eine Katze über die lose aufeinander liegenden Ziegel. Aber nein, es sind regelmäßige, immer stärker werdende Laute. Ich schließe rasch die Haustür« auf, laufe aufs Dach — es regnet. Kein Stern mehr am Himmel, di« Kuppen der Bergs waren verschwunden, schwarze, schwere Molken hatten die stolzen Bergesgipfel doch endlich eingehüllt. hadassa Bath Mordechai Unsere Toten. Ueber ein Jahr ist es jetzt her, daß zwei unserer Führer von uns genommen sind. Aber vielen von uns bedeutet das Jahr nicht mehr als eine Woche. Und wenn wir wandern, dann reden wir oft von ihnen, von Ludwig Franz Meyer und Rudi Dan ziger, und wenn wir für den Blau-Weiß arbeiten, dann denken wir, wie sie ihre Pflicht erfüllt haben; wenn Schlaffheit in unser Herz schleicht, dann mahnt uns ihr Beispiel, wieviel man opfern kann, und wenn wir jetzt im Frühling lang hingestreckt auf blumiger Miese in die Sonne starren, dann leben in uns die Träume, dje wir zusammen geträumt. So leben unsere Toten. Breslau .Martin Nothmann wenn ich nicht für mich, wer denn? ' Wenn ich nur für mich, was bin ich dann? wenn nicht jetzt, wann denn? Es war wie im Frühling draußen; im Wald sproßte alles schon, und einzelne Apfelbäume an den hängen der Bergstraße standen im vollen Blütenschmuck; das alles Ende Januar. Die ganze Welt scheint einem verändert. Will die Natur, das Werk der Gottheit, 9

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