Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 1 (6.1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Werden. Drum ging er so von Grund aus «in paar Tage lang, bis bann noch ein letzter Nachmittag kam, an dem im Heim ganz heimlich herumgewirtschaftet wurde — und dann war alles bereit. Blitzblank sah uns das heim entgegen, vom Flur unten bis zu -den Fenstern in den Zimmern oben, alles strahlte. Wieder einmal empfanden wir, wie traut doch unser heim ist! Von unseren zwei Zimmern hatten wir das größere für den Abend bestimmt und entsprechend hergerichtet. Blumen in den Fenstern, Blumen an der Wand und in der Witte, schier das schönste, durch das ganze Zimmer reichend, ein gedeckter Tisch. Einige Vasen mit Frühlingsblüten find über ihn verteilt, am obersten Ende stehen zwei filberne Leuchter mit Kerzen besteckt und vor ihnen eine richtige Lederschüssel, die unsere lieb« Fridl Lederer mit kunstvoller Hand berettet hatte: drei Mazzoth Und ein Ei und Knochen und Kräuter, ganz wie fie' die Ordnung vorschreibt. Und neben der Schüssel eine Flasche Wein und zwei Becher. Und auf jedem Platze liegt eine hagadah. Wie schön und festlich fahr es aus! Aber auch inuns herrschte diese festliche Stimmung, und in gespannter Erwartung des Kommenden saßen wir da und freuten uns. Wußten wir doch, daß unser Seder lebendig und voll ernster Freude sein würde, wie es fich geziemt, wenn die Jugend das Freiheitsfest ihres Volkes feiert.- Freilich die Alten hätten wohl den Kopf geschüttelt, wenn fie -gehört hätten, wie die hatikwah feierlich und inachtvoll das Fest eröffnet«. Und auch was dann geschah, war nicht althergebracht! Zwar die hagadah, dieses alte, schöne Buch voll weiser Erzählungen, fehlte .nicht. Ein in unserer Stadt zur Kur weilender Offizier, der uns nahe steht und uns ein lieber Freund geworden ist, las uns aus ihr und fang die schönen alten Melodien ihrer Lieder; er hat es so gut gemacht, daß es wirklich wie Erzählen war und wir mit Hilfe der beigedruckten Uebersetzungen auch alles verstehen konnten. Aber zwischendurch klang wieder anderes! Bald tönten unsere Freiheitslieder/ bald las einer aus der Bibel, ein anderer die Geschichte des Auszugs aus Aegypten nach dem Buche von Weinheimer, ein dritter aus Midrasch und ostjüdischer Literatur (das peffachbuch Ehadgadjah hat gute Dienste geleistet) und auch Hugo Zuckermanns Lieder fehlten nicht, und dabei war alles auf den Inhalt und Tharakter des Abends abgestimmt, daß es über uns lag wie ein Klang