Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 6 (4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425321-3181698-3181704--0507-3182329- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zaun, wohl fehlte Naharai's Pfeil selten fein Ziel: da durchbohrte ein Spieß den Waffersack und die Schulter des Trägers; auf Afahels Rüstung glänzte Wasser und Blut. Eine spärliche Neige, ein paar Schluck nur, gerade genug für einen Nkann blieben in dem durch» löcherten Schlauch. Das Wagnis war vergebens gewesen; so galt es wenigstens das Leben zu wahren. Immer grimmiger wurde der Kampf; Iaobs Helm klaffte, von seiner Stirne rann Blut. Schwerter, Beile, Speere zielten nach seiner Brust, ein tückischer Dolch blitzte in der Nähe; Naharai fing ihn mit dem Kerzen auf. Da brüllte Iaob wie ein wilder Stier, mit der Linken riß er den warmen Körper des Knaben an fich, mit der Rechten bahnte er fich und dem wunden Bruder den Weg über stürzende Feinde. Niemand verfolgte fie, als hätte der Schrecken Gottes die Philister geschlagen. Ein Pfeil fuhr zischend an ihnen vorbei ins Dunkel. Dann war es still. . Ioab weinte. Der Leichnam, den er auf der Schulter trug, begann zu erkalten. An seinem Herzen fraß es wie Gift; er zürnte David, der die Not verschuldet und den rettenden Kampf gescheut hatte, wie dem Mörder seines Freundes. Dann wurde sein Herz ganz kalt und hart: „Es ist wie ein Gottesurteil. Blut ist zwischen mir und David." Er goß den Rest des Wassers in seinen Helm: „Ich werde ihm zu trinken geben und und ihn beim Trank erstechen!" Ioab trat vor David. Der Häuptling lag mit durstirren Augen am Feuer. Die hastige Flucht vor den Philistern hatte ihm die Zunge gedörrt. Gierig griff er nach dem Helm, der die Labsal enthielt» Im Gehäng lockerte Ioab das Schwert. Da fiel Davids Blick auf Naharai, er zuckte zusammen und schaute Ioab an und Asahel, der im Wundsteber am Boden lag. Einen Augenblick nur zauderte er, dann goß er das Wasser, das seine Getreuen mit ihrem Blute bezahlt hatten, zu Boden. Ioab überkam's von neuem wie schüttelndes Weinen; feiner Hand entsank der Griff des Schwertes, klirrend stel die Waffe zu Boden. Da bricht einer durch die Schar der Krieger, naß find ihm Haar und Gewand vom hitzigen Lauf. Bor David finkt er in die Knie: „Juble, Herr, Saul, Dein Feind, liegt erschlagen von den Phi« listern auf der Höhe von Gilboa. Es lebe David, der König von Israeli" David trat zurück, tief erschüttert: „Das fei ferne von mir, daß ich mich am Tode des Gesalbten freue; fern von mir, die Krone zu nehmen, die dem Hause Sauls gebührt!"