Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 5 (2.1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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sich verbinden, alle Formen mit neuem Sinn erfüllt werden. Im Elternhaus hatte er nur ein totes Zeremoniell an hohen Feiertagen gesehen und hat doch später den Sederabend, Purim, Ghanukah mit liebender Wärme besingen können. Seine ganze Kindheit, seine Schul» jahre waren einsam und traurig. Damals hat er die gequälte Ghetto» pimmung und die Sehnsucht nach der freien Gotteswelt verstehen ge» lernt und manche seiner Lieder spiegeln diese Zeiten wieder: Rachel, o Rachel, die Welt ist so schön; Rachel, sag. hast du die Welt schon gesehn? Rot blüht der Rosenstrauch, grün ist der Rlee, Blau sind die Veilchen auf blumiger Höh', weiß auch den Fleck, wo die prächtigsten stehn. Rachel, o Rachel, die Welt ist so schön. Rachel, o Rachel, die Welt ist so weit, Trägt jetzt auch selber ein bräutliches Kleid. Hier ist's so düster, so kalt und so eng, Mutter ist tot, und der Vater ist streng. Draußen ist Frühling, ist Platz für uns beid'. Rachel, o Rachel, die Welt ist so weit! Die Sehnsucht nach der Welt da draußen verbindet sich mit einer innigen Liebe zur Natur, die er — später — in Bildern von wundersamer Einfachheit und Poesie besingt. Der Prater, Salzburg, das Aarstgebirge, sie alle gehören zu seinenr Leben und haben ihm Melodien gegeben für sein Schaffen, vor allem aber das Meer, die blaue Adria, auf die er stundenlang hinaussehen konnte, wenn die Schiffe im Abendfrieden heimkehrten „mit müdem Ruderschlag nach langer Fahrt", oder in mondbeglänzter Frühlingsnacht: Jetzt taucht der Mond aus dem Wolkenbad Und läßt sein blankes Silberrad Auf Wolkenbrücken rollen. Tief aus den wassern , quollen Die Nebel, die zum Tale schlichen. Zwei flügelmalte Möven strichen Mit heis'rem Schrei zum Felsenhang; Des Abends letztes Leuchten sank Ins dunkle Meer, wie früher Reif Durchzittert fern ein Silberstreif Der schwarzen Rüste hohen Saum; Hoch wirft die Flut den weißen Schaum. Die Welle, die ans Ufer schlägt, Lin blankes Silberkrönlein trägt Und streut wie blitzenden Demant Schaumperlen Ln den Ufersand. \\