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Blau-Weiss-Blätter · 1915-12-01 · 4 (12.1915) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
4 (12.1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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nicht selbst erlebt, wir würden es nicht glauben, wir gelangen an die feindlichen Drahtverhaue, leise bahnen wir uns allmählich durch das Dickicht einen kleinen. Durchgang. Zweig für Zweig muß beseitigt, jedes Blatt aus dem Wege geräumt werden, um jegliches Geknister zu vermeiden. wir liegen *o m vor dem französischen Graben; jetzt geht es an die schwierigste Arbeit, nämlich die Drahtverhaue zu durchschneiden. Vorsichtig, im Schweiße unseres Angesichts, durchschneiden wir Draht für Draht des Gewirrs. Zu dieser Arbeit benötigten wir ca. { Stunde. Nachdem dies vollbracht war, arbeiten wir uns vollständig an den Graben heran. Die Franzosen empfangen gerade ihre Mahlzeit. Die Kochgeschirre klirren, einer liest das Neuste aus der Zeitung vor, wieder ein anderer war mit einem schrecklichen Husten behaftet; mit dem hatten wir natürlich großes Mitleid. Nachdem wir mehrere Beobachtungen gemacht hatten, wurde plötzlich unser Leutnant von einem feindlichen Posten bemerkt, wie auf einen Schlag steckten wir unsere Revolver vor. Der Posten war wie hypnotisiert vor Üeberraschung und Schreck. Schießen durften wir nicht, sonst waren wir verraten und verloren. Ls wäre unseine Kleinigkeit gewesen, den Kerl über den Haufen zu schießen. Der Posten hatte jedoch die Geistesgegenwart, sofort die anderen Posten zu signalisieren, die uns sofort unter Feuer nahmen. Die Geschosse flogen an unseren Köpfen vorbei, jedoch ohne ihr Ziel zu erreichen, wir kamen glücklich aus dem Feuer heraus, wie, wissen wir nicht mehr. Nachdem wir zurückgekommen waren, es war V*3 Uhr, wurde uns von allen Seiten gratuliert. Der Bataillonskommandeur nannte uns tüchtige Kerle und stellte uns tags darauf unserm Brigradekommandeur vor, der uns mit einem Händedruck sagte: „Ihr seid tapfere Kerle, ihr habt das Herz auf dem richtigen Fleck, auf euch Dann man sich verlassen." Unsere Namen gingen bis zur Division weiter. Ls war für uns einer der schönsten Tage unseres Lebens. Natürlich wurden'wir sofort zum Eisernen Kreuz eingereicht und vorgestern zu Unteroffizieren befördert. Schalom! L n o s und B o l d e (Leopold und Leo Kahn vom Mannheimer „Blau * weiß"). Nachtfahrt und Zeltnacht Zuerst war ich unschlüssig, doch da dar Neue reizt, zog ich die Nachtfahrt und die Zeltnacht dem Uebernachten im Drewitzer heim vor. Am Bahnhof Drewitz trennten wir uns, die einen gingen nach Drewitz und wir andern marschierten, q Mann stark, in Richtung Lienewitzsee ab. Auf einer Eisenbahnbrücke wollten wir über die Nuthe gehen, wollten wir — es war nur di« Frage, ob der Posten uns hinüberließ. Diese Frage wurde bald gelöst: wir durften nicht.' Es blieb uns nichts übrig, als einen andern Uebergang zu suchen. Und wir fanden ihn wirklich in Form einer Wassersperre. )n der Mitte dieser Sperre befand sich eine Tür, die mit dreifachem Stachel« -r

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