Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 4 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Schwer tönt jetzt ihr verhallender Sang - Da plötzlich, — oben auf dem Berg steht doch ein Haus —und dort, habt ihr's nicht kichern und lachen gehört? Dort ist fie noch einmal gewesen! habt ihr gesehen, wie die Fenster am Häusel geblitzt haben? Das war der Sonne fröhlicher Abschiedsgruß an diesem Tag. Mannheim Tläre lvohlgemuth Lukkothfeiern I. In dieser ernsten Zeit ist es nicht gut, große Feste zu feiern, wir wollten jedoch Sukkoth nicht ohne eine kleine Feier im Blau-Weiß vorübergehen lassen, und veranstalteten deshalb am 26. September eine Treffahrt aller Züge. Eltern und Freunde waren eingeladen; sie sollten sich einmal ansehen, wie ts Lei uns zugeht. In der Nähe von Hohenbrunn hatten wir eine Sukkah aufgestellt, die. älteren Buben und Mädchen fuhren vormittags hinaus, um sie zu schmücken und die blau'weißen Papierketten, die silbernen und goldenen Tannenzapfen, die die Mädchen an den Heimabenden gefertigt hatten, balfen die Sukkah zu einer anheimelnden Wohnstätte zu gestalten, vor dem Eingang hielten die Zugsfahnen treue wacht. Ls hat uns eigenartig angemutet, wie die Sukkah zwischen hohen Tannen in ihrem blau-weißen Schmuck hervorleuchtete, während vom Süden her die blauen Voralpen einen stummen Gruß herüberwinkten. Als nun der Nachmittagszug die Eltern herausbrachte, waren wir mit Abkochen bereits fertig. Der Aufmarsch begann. Mit „wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen" marschierten wir auf die wiese und bildeten einen Kreis um Herrn Justizrat Dr. Fränkel, der im Namen unseres Vorstandes eine Ansprache hielt. Er hob die Bedeutung des Sukkothfestes hervor, ermahnte uns, starke Juden zu werden, und schloß mit einem begeisterten Hedad auf unfern Wanderbund, wir sangen dann „Dort, wo die Zeder schlank die Wolke küßt" und stellten uns zugweise zum Spielen auf. Die Zeit verstrich nur allzu rasch, während die einen noch spielten, rasteten die andern und lauschten den trauten jüdischen Liedern, die unsere Wandrerin Sofie Fleischer so wunderschön sang. Der Gesang hatte alle langsam vom Spiel weggelockt und die untergehende Sonne mahnte uns an die Heimkehr. Die einzelnen Züge wanderten in verschiedenen Richtungen nach Hause, und Ln den Wäldern hallte das Echo von unseren jüdischen Liedern und rief uns zu: „Obssale w’emaz, seid stark und fest." München , Eli Steinberg II. wir wollten unsere eigene Sukkah haben, es brauchte keine feste Holzhütte zu fein, reich geschmückt; uns genügte die Sukkah unserer Ahnen, das Zelt; in Zelten wohnten ste, als fie in der wüste wanderten, das starke Geschlecht, das Aanaan eroberte. 85;