Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 4 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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nicht zu sagen: ein» kleine Stadt, von ganz bewundernswerter Häßlichkeit. Nicht einmal di« pflaumenbäume vor der Stadt konnten den schlechten Eindruck ganz verwischen. Was uns am meisten wunderte, das war, daß die Menschen eine so häßliche Stadt in ein so schönes Land Hineinzaubern konnten. 3n dieses Land, das in seiner satten, übervollen Schönheit zu dein schönsten gehörte, was wir gesehen haben» Gleich als wir aus Uetsch herauskamen, lag es vor uns, überraschend: am Horizont Speyer, unverkennbar durch seinen Dom. Neben uns, uns entgegen, floß der Alte Rhein, ein reißender Nebenarm des Rheins. Weiden und Pappeln standen in dichten Gebüschen an seinen Ufern, ohne sich in dem trüben grünen Wasser zu spiegeln. Eine Zauberhand schien dieses liebliche Bild hineingesetzt zu haben in die erhabene Schönheit der Ebene. Weite Felder dehnten sich vor uns aus, hinteruns bis an den Odenwald heran, der wie ein Wall aufsteigt, und vor uns im Uferlosen verschwindend. Ganz hinten nurlag Speyer, und noch weiter» ein Schatten, die hart. Die Straße war mit Aepfelbäumen bestanden. Dicke, rote Aepfel leuchteten hervor aus den grünen Zweigen, und ihr Anblick allein war schon ein Genuß. Wir ließen es aber nicht bei diesem Genuß bewenden .... Nun waren wir am Rhein. Ein eigenartiges Gefühl. Za, es war wirklich der Rhein, der unter uns üahinraste, als wir auf der Schiffsbrücke nach Speyer standen, mit einem Ungestüm, den ma einem so großen und alten Strom nicht mehr Zutrauen möchte. Man kann ihn nicht verkennen, den guten alten Rhein, der gleichzeitig majestätisch, wild und lieblich ist. Wir zogen in Speyer, der alten Äaiserstadt ein und geradeaus vor den gewaltigen Don,, der in seiner Größe uns kleine Menschen erdrückte. Fast beklommen standen wir vor diesem tausendjährigen Riesen, der schon die Tränen Heinrichs IV. gesehen hat, dieses unglücklichen Aaisers, den sein eigener Sohn in das Elend jagte. Wieder tobt ein blutiger Arieg, doch Stadt und Land, soweit der Dom sehen kann, atmen liefen Frieden. Und wir standen stumm und bewunderten. Berlin Reinhold Lohn