Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 4 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jum Todestag unseres lieben Führers Fritz Seelig ^Gefallen beim Sturmangriff am St- Dktober Weltenbrand, Kriegsgreuel schon über ein Jahr! Von allen Landesgrenzen schallt Kanonendonner. Der Kriegs« gott schürt und schürt, sodaß zischende Glut auf die Erde hernieder fällt. Immer stärker treibt er sein Spiel. Und wenn todbringende Geschosse durch die tust sausen, dann heult er vor tust und stiert in Len feurigen Kessel, als müsse der auseinander fahren, damit sich die rote Glut all auf einmal über die Erde ergieße. — Was schert ihn Menschenleid und Menschenkummer? — Gr ist jetzt Herrscher und freut sich über sein Werk. Blutig rot loht alles auf. ha, wie das heult, tost und zischt; wie die Schwerter blitzen! — So will er es; das sieht er gern, und vergnügt ob seiner Tat reibt er sich die Hände. Wie lange wird er dieses frevle Spiel noch treiben? — -- Als letztes Zahr im Spätherbst die Blätter fielen, und der Wind dann noch einmal wie kosend über sie hinwegstrich, da war es mir, als klagten sie über ihren frühen Tod, diese gelben verwelkten Blätter. Und da dachte ich, so wie sie liegen draußen die Menschen; ein Nichts, leblos, Blätter, hinweggeriffen vom Stamm. Aber es sind keine dürren Blätter, die ihren Zweck auf der Erde erfüllt haben; nein, junges, sprossendes Grün mit Lebenskraft und frischer Farbe. Sie liegen am Boden, von einein entsetzlichen Sturmwind geknickt, dein Tode preisgegeben. — Sie schlummern mit den dürren Blättern. — Bald breitet mildtätig der Winter über verwelktes taub und ge« knickte Menschenblüten seine weiße Decke. --— Mit den dürren Blättern zusammen, vom weißen Schnee zu« gedeckt, so schlummert unser lieber F r i tz S e e l i g heut« schon ein Jahr in Mutter Erdens Schoß. Unser Fritz Seelig, dessen Seele mit «ns weiterlebt, der frisch, kräftig gestählt an Körper und Geist, von «isernein Willen zur Tat war. — Als im vorigen herbst die Natur sich noch einmal in ihrer vollen Pracht entfaltete, um sich vor ihrem Sterben den Menschen zum letzten Mal in ihrer Kraft und Schönheit zu zeigen, da ist er wie so viele hinausgestürmt, als Freiwilliger, Leseelt von Tatendrang und Heldengefühl. — Aber grausam ist Schnitter Tod. Er pflückt junge Menschenblüten wie altes, verwelktes Laub. — — rr