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Blau-Weiss-Blätter · 1915-09-01 · 3 (9.1915) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
3 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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schlossen, und die Zahl unserer Wandrerinnen insbesondere ist beträchtlich gewachsen. Von unseren Wanderern war unter den obwaltenden Umständen ein Gleiches nicht zu hoffen, ich möchte sagen, sogar nicht einmal zu wünschen. Die geringe Zahl von Führern, die uns heute — und nicht nur uns, sondern auch jeder ähnlichen Bewegung — zur Verfügung steht, gebietet von selbst eine Beschränkung in der Aufnahme und Heranziehung neuer Wanderer. Manch einer unserer Wanderer glaubte zwar in seinem früh erwachten Drange nach Selbständigkeit, -aß es besser sei in kleinen Zügen ohne Führer, als in großen vielleicht sogar überfüllten mit Führer zu wandern. Die es glaubten und wünschten, verrieten, daß sie den wahren Inhalt der „Blau-Weiß"-Idee in voller Tiefe noch nicht erfaßt haben. Unsere Arbeit ist Erziehungsarbeit, Erziehung der jüdischen Jugend zu neuen Idealen, zu freudiger, freier Bejahung unseres Lebenwillens als Juden, als Volk unter Völkern, Der Weg hierzu ist uns die innige Berührung mit der Natur, die wir auf unseren Wanderungen suchen. „Blau-Weiß" ist nicht eine mehr oder minder zufällig zufammengeschlossene Menge jüdischer Kinder, die gemeinsam an freien Tagen Wald und Feld durchziehen. Nicht, daß wir's tun, sondern wie wir's tun, das ist unserer Bewegung Wesen und Kern. Darum ist kein Wandern in unserm Sinn ohne einen gereiften, unseren Idealen, restlos ergebenen Führer möglich« Er soll euch, Wanderern und Wandrerinnen, nicht nur draußen die Wege zeigen, sondern vor allem auch den Weg weisen, den ihr innerlich gehen müßt, um zu dem uns heiligen Ziele zu gelangen. Darum bezähme seine Selbständigkeitswünsche, wer sie noch hegt. In großen und selbst überfüllten Zügen ohne Murren und Mißvergnügen zu wandern, ist das kleinste Opfer, das diese Zeit von uns fordert. Der Blick in die Zukunft weist uns jetzt mehr denn je auf die innere Vertiefung unserer „Blau-Weißen"-Art. Die Kräfte, die durch die Not der Zeit nicht in die Breite wirken können, müssen doppelt in die Tiefe dringen, von Vielemwas da noch unserer Arbeit harrt, will ich heute nur eins erwähnen, was — nach Berliner Erfahrungen beurteilt —• lange, vielleicht allzulange, einen Dornröschenschlaf in unserer Mitte gehalten hat. Ich meine die wahre Liebe zur Natur. Mer wie wir mit der Natur leben will, der muß sie vor allen Dingen kennen. Das Leben der Millionen Gebilde dort draußen muß euch Auge und Ohr gefangen nehmen. Die Blumen auf den Wiesen, die Gräser und Kräuter auf den Feldern, die Bäume und Büsche, die Vögel im Walde, das Wild, das ihr oft genug im schweigenden, 52

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