Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 2 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. . Bereits seit mehreren Jahren versammelt sich die Jagend von Galiläa am 20. Tammus in Kineret, um hier Herzls Andenken zu frier«. Der Monat Tammus ist der fröhlichste und schönste im Jahr. Von den Getreidescheuern klingt von frühmorgens bis in die späte Nacht hinein der Sang der Kolonisten, die beim Dreschen und Reinigen des Korns beschäftigt find. Die Kolonistenfrauen eilen mit dem Mittagbrot herbei, und die ganze Familie versammelt sich im Schatten eines Heuschobers, um gemeinschaftlich das Esten einzunehmen. Dar» auf ruht der Kolonist ein wenig und geht dann daran, die Aufstellung seiner Ausgabe»! im taufe -es Jahres zu machen. Kaum ist er mit der Abrechnung fertig, da hört man schon das Zeichen: der Nachmittagswind ist gekommen — an die Arbeit! Die Kinder schirren eilig die Pferde an, Lieder werden angestimmt, und in wenigen Mi» nuten ist die Arbeit in vollem Gange. Die Jüngsten drehen die Kurbel des Dreschstegels und helfen auf diese Weise bei der Arbeit mit. Peitschenknall erfüllt die tuft, mit lustig strahlenden Augen blickt der Nachbar auf den Nachbar. Erst gegen Abend, wenn die Sonne in den Tiberias»See finkt, hört man mit der Arbeit auf, die ganze Gegend erklingt in dem tiede: „Äm Jisrael Chaj!“ . v. In dieser Stimmung versammelt fich die jüdische Jugend am 20. Tammus in Kineret. Die Arbeiterküche öffnet fich einem jeden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen find beschäftigt, die Gäste zu empfangen und zu bewirten. Freunde und Genoffen, die einander schon lange nicht inehr gesehen haben, begrüßen sich aufs herzlichste. Die jungen Kolonisten der verschiedenen Anfiedlungen erzählen einander vom Ertrage der letzten Ernte. Die Vorsteher der Arbeiterschaften disputieren über das Ergebnis ihrer Arbeit in Galiläa. Die Lehrer haben ihre pädagogischen Themen, die Kinder plätschern im See. Die Arbeiterinnen aus anderen Kolonien lasten fich zeigen, was von der Frauenfarm geleistet worden ist. Lin lautes Signal versammelt alle in der Küche. Die Arbeiter aus Migdal fitzen in einer Reihe, als wollten sie sagen: „Seht, wir bilden hier die Mehrheit." Nach dem Effen trinkt man wie gewöhnlich ein wenig Wein, tanzt und fährt dann nach Kerak hinüber. Wie die meisten derartigen Festlichkeiten hat auch diese kein festes Programm. Pärchen scherzen miteinander, die Kinder schichten Steine aus und bilden einen Steinhügel, der den Namen herzl-hügel