Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 9 (3.1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf dem Hermorr Zwei Monate bin ich im letzten Frühjahr, meist zusammen mit Hermann Badt, den ihr Breslauer kennen werdet, durch Palästina gewandert und geritten, und was könnte ich euch Blau-Weißen Schöneres davon erzählen/ als unfern Versuch, den nicht jeder Palästinawanderer macht, den Hermon zu besteigen. Ich habe nach Deutschland einen Brief darüber geschrieben und lasse ihn hier drucken, soweit es der Raum, der dem Herrn Schriftleiter noch zur Verfügung steht, erlauben will: Wir sttzen in der nördlichsten jüdischen Rolonie, in M e t h u l a; schon seit vielen Tagen haben wir die Ruppe des Qennoit, mit Schnee bedeckt, vor uns leuchten sehen, und es war uns längst kein Zweifel: Da müssen wir hinauf. Wir erwischen einen ernsten und ziemlich zuverlässigen Menschen als Führer, einen sefardischen Juden, der in Methula als Bauer wirtschaftet. Unterwegs singt er uns seine hebräischen Lieder vor. Reine von den modemen, nationaljüdischen, sondern Sänge aus den Psalmen. Am Mittwoch frühmorgens ging es los; Badt ritt einen ziemlich wilden Mengst, ich eine mhige Stute, die eigentlich nur in den ersten Morgenstunden sich zu einem munteren Trab verstehen wollte, aber sie war wunderbar vorsichtig und zuverlässig, und am Ende des dritten Tages waren wir beide ganz befreundet. Der Morgen war frisch und angenehnr. Wir ritten zunächst ziemlich allmählich bergan, zwischen einem bunten Blumenflor von Rämillen, Mohn, Lichorien, glutroten Anemonen, Disteln und tausenden anderer Blumen. Allmählich macht sich die Nähe des Gebirges bemerkbar, es kommen immer mehr Wafferbäche und mit ihnen eine ganze Reihe wildwachsender Vbstbäume, vor allem überraschten mächtige Nußbäume, plötzlich taucht am Fuße eines arabischen Dorfes auch ein gut erhaltener antiker Tempel auf. Dann aber begann ein für die Pferde und auch für uns anstrengender, aber wundervoll romantischer Weg, am Rande einer tiefen Schlucht: jenseits steile Felswände, tief unten ein reißender Gebirgsbach, an seinen Ufern Platanen, Pappeln, Nüsse,. Granaten, auf unserm Wege.Geröll, drüben eine neu angelegte Wasser leitung, aus der ab und zu Springbrunnen und Wafferbäche hervorrauschten. Gegen H kamen wir in einem Gebirgsdorfe an. Wie das so Sitte ist, wandten wir uns durch Vermittlung unseres Führers an den Scheich, der als der reichste und angesehenste am Drt die Verpflichtung fühlt, die Fremden in seinem Haufe gast-