Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 9 (3.1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Scherz und Ernst gab es stets bei uns am Lederabend. Scherzworte und Scherzfragen unterbrachen die Erzählung der hagadah und ihre Erläuterungen, und fröhlich erklangen die schönen peßachlieder. MM UM Und dieses Jahr, wie wird es diesmal werden? Ls sind ja so viele nicht da, die sonst mit uns lachten und sangen, es find ja so viele draußen im Leide, wo es keine Lieder gibt, keine Becher, keine Lederschüssel und keine Ulazzoth; nur eine hagadah — die sollen sie alle haben. Wird es uns auch diesmal gelingen, am Lederabend fröhlich zu sein? Wird es uns nicht schwer, sehr schwer werden, der bangen Sorgen zu vergessen? Jahrtausende hindurch hat man uns durch Tod und Tränen und Schmerzen gehetzt und in den Staub getreten; niedrig waren wir und elend, am Sederabend — da waren wir Könige, jeder war ei» König in seinem Hause. Woher hatte der elende Hausierer des Ghetto, der ärmliche Wasserträger des Orients am Lederabend die freien, königlichen Sitten, die vornehme Art, sich zurückzulehnen? Wie kam der Frieden auf die Stirn des gehetzten Juden? Woher hatte er die Fähigkeit, auf einmal groß und stolz zu sein. Dies hohe Gut gab Gott, der Herr, seinem Volke mit auf den Weg, als er es hinaussandte aus seinem Lande in Leiden und Knechtschaft, in Schmach und Weh, als er es wandern hieß, wandern, wandern ... Er gab es ihm,. damit es inmitten der Prüfungen bestehen solle, damit «S inmitten der Todesgefahren den Willen zum Leben habe. Und dieses hohe Gut, das wir uns bewahrt haben, es wird uns helfen, trotz aller bangen Sorgen auch diesen Sederabend würdig zu begehen. Ihr aber, die ihr draußen im Felde seid, die ihr von wildem, freiem Leben umringt seid, wird es euern Gedanken nicht schwer