Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 7 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Führerfahrt Am himbeerberg. Gerade vor uns liegt Friedrichswald. Der Wald ist plötzliche zurückgetreten und öffnet sich in einen hügeligen Wiesenplan. Aleino zierliche Häuschen find am Waldesrand verstreut, jedes mit einem kleinen Garten und mit bunten Blumen, keines beengt das andere^ wie wenn jedes etwas Eigenes sein wollte, seltsam erscheinen uns^ Städtern diese freien Häuser. Wie schön man hier wohnen müßte! Diebreite Straße, von Lhristianstal kommend, windet fich in vielen Krüm« mungen zwischen den Häusern hindurch zu uns hinauf,-es» regnet in kalten Schauern, ein wütender Hagelschauer schüttelt uns- And doch find wir voller Erwartung, hier sollen ja unsere Freunde vorüberkommen, die schon vor zwei Tagen von Breslau aufgebrocherr sind. Nach langem, langem Warten erscheinen weit draußen einige- Gestalten; — ganz vermummt in ihre Mäntel, ziehen sie die Straße herauf. Wir find bald bekannt geworden; vielleicht ahnen wir alledas Einigende, Gemeinsame, das uns mit einander gehen heißt. Reichenberg. In Dunst gehüllt steht das hochragende Rathaus über der Städte Aren; und quer laufen die vielen Gaffen und Gäßchen durcheinander. Weit draußen grüßt das Gebirge herüber, umgibt mit schützendem Wald die frische Stadt. Freundlich sind ihre Bewohner, ruhig und' ernst, — wie wenn die reine, klare Höhenluft die Menschen besser macht. Sie nehmen uns Fremde auf, wie alte gute Bekannte. Bald' find wir heimisch geworden, — unsere wieder und lachenden Augen müssen ihnen sagen, daß wir ihnen dankbar find. N a ch t f a h r t. In tiefem Dunkel schläft der Wald, unheimlich, dräuend. — Wie ein schwarzes Tor ist das Dunkel, in das die Straße eindringt. — Graue Wolken decken den Himmel, ein schwerer Regen fällt. Lautlos» steigen wir den Berg hinan, die Vorhut jeden Schritt prüfend. — Manchmal flammt ein Licht. Alle rücken näher zu einander, harter jeden: Baumstamm lauert das Geheimnisvolle, Dunkle. Plötzlich bricht der Mond hervor, wirft gespenstische Schatten auf den Weg — ein Mondregenbogen spannt sich über den Himmel. Das Anheimliche ist geschwunden, die rätselvolle Nacht erfüllt den Wald. Silberne Flecken spielen auf dem Moos. hinter den Steinen gucken Zwerge her« vor, Elfen und Trollen tanzen den Reigen. Da — mit leisem Klingen