Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 6 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Dom Führer Gl a u bt ihr, zum Führer werde man geboren? Nein, das muß man sich erarbeiten. Seht einmal und denket nach: Daß ein Führer Bäume und Pflanzen, Tiere und Gestein, Berge und Gewässer in den Gegenden, durch die er führt, ganz genau kennen soll, das ist wohl eine Selbstverständlichkeit; ich verlange aber auch, daß er vom Flügelschlag der Geschichte und vom Raunen der Sage zu verkünden weiß. Der Führer sei Schwimmer und Läufer, Ringer und Spieler, Turner und Fechter. Könnt ihr euch in unbekanntem Gelände zurechtfinden? mit Harten, ja; aber auch ohne Karten, gestützt auf die Himmelsrichtungen und eine gewisse Spürkunde, die nur lange Wanderlehrzeit verschafft? Habt ihr gelernt, Zelte aufzuschlagen und Wunden zu verbinden? -Zch nehme an, daß ihr durchaus und genau die jüdische Geschichte kennt. Kennt ihr aber auch die große Literatur über Volks» ertüchtigungsarbeit, wißt ihr vorn Kampf um bessere Wohnstätten, vom Feldzug gegen Nikotin und Alkohol? Ihr kennt ohne Zweifel alle Lieder in unserem Blarr-Weiß-Liederbuch und wißt, welch Lieb sich am besten zu müdem Nkarsche gesellt und welches froher Rast sich anzufchntiegen versteht. Alles dies sollt ihr wissen; dann erst werdet ihr richtige Führer sein. Allein, seid ihr auch schon ins letzte Geheimnis gedrungen? Wißt ihr, daß jede einzelne Fahrt zu einem einzigartigen Kunstwerk zu gestalten, des Führers wahre Aufgabe und wichtigstes Können ist? Auf der Fahrt müßt ihr merken aus Dirrgen, die man empfinden muß, wie ihr gerade dieseFahrt mit einer besonder e n Note aus statten könnt; keine Fahrt soll wie die vorige sein, jede muß irgend etwas gerade ihr Eigentümliches haben; das herauszugestalten und herauszufinden ist eben des Führers Kunst. Lagert einmal viele Stunden lang in wohligem Nichtstun auf sonnenumspielter Höhe, treibet ein andermal Luft- und Lungengymnasrik, besichtigt Städte und Dörfer, Dome und Burgen; vor allem Stätten, die von jüdischer Vergangenheit erzählen. Wir haben einmal auf cmer Fahrt einem Bauer vor drohendem Gewitter stundenlang beim Heuen geholfen und haben ein andermal im Hagelwetter abgekocht; ich bin überzeugt, Fahrten mit solchen Erlebnissen prägen sich als liebe Erinnerungen tief und fest ein; sie werden nie vergessen werden.