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Blau-Weiss-Blätter · 1914-10-01 · 6 (10.1914) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
6 (10.1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mau-Weiß-Mütter Gctober Jahrgang 2 Lest tz Laubhültenfest Sukkoth! Ich sehe mich als Jungen von acht oder neun Jahren in Halberstadt. Gestern war versöhnungstag, Jom Aippur gewesen, heute oder morgen muß das „Ssechach" ankommen, das heißt die Tannenzweige, die für die jüdische Gemeinde zur Bedeckung -er Laubhütten in großen Leiterwagen aus dem harz herbeigeschafft werden. Raum hören wir, daß es soweit ist, da stürmen wir Jungen — die Mädchen, glaub ich, machten nicht mit — hinauf auf den Aanonenberg, und schon fitzen wir droben auf dem „Laub". Wie im Triumphzug geht es in die Stadt hinein, vor die Häuser oder auf die Höfe der Juden, die das Laub brauchten, stolz warfen wir die nötigen Zweige hinunter und fuhren weiter zum nächsten haus. Und dann kam das Fest, acht Tage lang. Auf die letzten Tage aber folgte Simchath Thora, die Gesetzesfreude. Die ganz Meinen werden mit Zuckerwerk beschenkt, sogar in der Synagoge dainit überschüttet; dazu find wir natürlich schon zu groß. Auch die Fähnchen wollen wir nicht mehr recht herumtragen, doch mit einer Ausnahme: das schwere Banner der Jüdischen Schule den anderen Fahnen vorantragen zu dürfen, gleich hinter den Thorarollen, war eine große Ehre, und wie stolz war ich, als mir einmal dieses A»tt übertragen ward. Und andere Bilder tauchen auf, ein paar Jahre später, ans Mesfingwerk, dem Dorf meiner Heimat. Am Abend des Jom Aippur beginnen die Frauen und Mädchen, Ringe für den Lulaw, die Festespalme zu fischten. In den nächsten Tagen, wenn die Hütten errichtet oder bereit gemacht find, kommt das Laub heran. Wir größeren Jungen stehen obe»t auf dem Sukkahdach, um es zu verteilen, und von unten schallen die Aommandorufe des Vaters heraus: „Mehr Laub hier in die vordere Ecke! — Dort in der Mitte die Zweige sorgfältiger nebeneinanderlegen! — da hinten ist es zn dick, da könnte nimmermehr der Uachthimmel hindurchschiinmern!" Und dann find wir alle. Jungen und Mädchen, vollauf beschäftigt, den Schmuck der Sukkah herzustellen. Da wird gesägt, geschnitten, gefaltet, vergoldet, -geklebt. Alle woUen, daß ihre Sukkah die schönste werde. Eitrige

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