Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 5 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nicht auf Grund einer Ueberlegung. Der Führer wird es seinen Wanderern sicher nicht so theoretisch erklären, wie es hier geschehen mußte. Vielleicht braucht er es überhaupt nicht zu sagen. Auf keinen Fall wird er es einfach verbieten dürfen. Öder gar mit der — ach so menschlichen — Erklärung abtun : „Wenn ein jeder sich Blumen pflücken wollte, wie würde da die wiese ausschauen"! *) wir brauchen dann garnicht einmal daran zu denken, daß jedes Blatt für die Pflanze Atem und Nahrung, jede Blüte ein neues Ge» schlecht bedeutet, wer so recht wandert, dem tut es eben weh, wenn «ine Pflanze unsanft berührt wird, etwas Lebendiges aus seiner Um' gebung und aus seinen» Leben herausgerissen wird, „als wär's ein Ltück von mir". — Manche werden diese Anschauung schwächlich nennen. Ich meine aber im Gegenteil, daß wir nur aus einem starken Weltgefühl heraus dazu gelangen werden, so zu fühlen. — Wer aber in irgend einem hohen Moment sich mit einem Aranze schmückt, eine Blume pflückt und zur Erinnerung aufhebt, wer einem Rranken, einem geliebten Mädchen einen ötrauß bringt, der soll daran denken, daß er seiner Persönlichkeit etwas opfert, der muß wissen, ob er «in höheres Recht hat, dieses Gpfer zu verlangen. — Und wenn ein Führer oder eine Führerin eine Blume, eine Blüte pflückt und zergliedert und allen zeigt, wie wunderbar sie gebaut ist — so muß er wissen, daß er eine Pflanze opfert, damit seine Jungen oder Mädel die übrigen desto lieber haben. Viel schöner ist es allerdings, wenn man eine Blume betrachten will, sich zu ihr zu bücken oder neben sie niederzuknien und sie so anzuschauen. Dieses Bücken sollt ihr lernen. Prag Fritz Fischl. 2. Ich schließe mich für meine Person Fischl an. Aurt Josef und Paul Graetz Haben die Frage etwas verschoben, weil sie von der Voraussetzung ausgingen, daß das Blumenpflücken grund« und zwecklos geschehe. Die Frage beginnt aber erst da, wo jemand mit Bedacht eine einzelne Blume oder ihrer wenige pflücken will. Darf er dies? *) Als wir die ganze Sach« in der Führerschaft besprachen, meinte unser Emil Theiner, daß wir die Kinder lehren sollten, Blumen zu ziehen. Sie würden dann deren wert viel besser zu schätzen wißen. Nicht nur wegen der Mühe de» pflegen», sondern vor allem, weil fl« fich gewöhnen würden, mit der-Natur zu leben — nicht fl« nur zu besuchen. — Ich finde Theiner hat sehr recht. U