Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 5 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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graduell, d. i. durch das Maß ihres Wissens und Wollens, sondern auch qualitativ, d. h. durch Wesenheit und Aufgabe verschieden, Wir haben die Aufgabe, uns zu vollkommenen Trägern des Rulturgeistes auszubilden. VOix kennen die Realitäten des Lebens noch nicht und wollen sie noch nicht kennen lernen. Die Mannheit ist dann die Zeit der Erfüllung unserer Jugendzeit. Wo da die Herabsetzung des Mannestnms liegt, ist mir unklar» Diesen Geist zu erringen, hakte ich für die erste Erziehungsforderung an unsere Blau-lVeißen. Nicht durch Debatten soll er uns vertraut werden. Nein, die vielen Worte und ständig, maschinenmäßig wiederholten Gedanken werden zu Phrasen und zerstören den Geist. Auf jeder Fahrt müssen wir diesen Geist neu erleben, um ihn während des Alltags in die Tat umfetzen zu können. Vor allem: Diese Fragen gehen nur die Führer und uns ältere Wanderer an. Die jüngeren Rameraden sollen rein genießen. Sie werden schon durch den Wandergeist genugsam für die Idee erzogen. Aber ein Wehe über, die Jugendbewegung, die diese Gedanken» gänge nicht mehr versteht!..... Denn sie hat ihre Jugend verloren. Töln Fritz Bodenheimer Soll ein Wanderer Blumen pflücken? i» Ich sage nein. Braucht es vieler Worte zur Begründung? Ist es nicht unser höchstes Bestreben, wenn wir hinaüsgehen, einig und eins zu werden mit Baum und Strauch und mit allem, was um uns ist, vielmehr zu fühlen, daß es i n uns ist, und wir in ihm? Rönnen wir dann überhaupt unseren „Brüdern im stillen Busch, in Luft und Wasser" etwas zuleide tun? — Eines macht sicher kein Blau-Weißer — aber an manchen, die zum ersten Mal mit uns gehen» sehen wir es hie nnd da —, daß sie ganz gedankenlos im Vorübergehen Blumenköpfe abschlagen, Blätter abreißen und ähnliches. Das halte ich für das Allerschlimmste. Wer das tut, zeigt, außer der Grausamkeit/ die er begeht, daß er blind durch die Welt geht, daß er vielleicht sehen, aber nicht schauen kann.. Doch darüber sind wir uns wohl alle einig. Aber es gibt so manche unter uns, die in glücklicher Unbefangenheit, ans Freude an der Schönheit der Blumen, sich welche pflücken. Es wird sehr schmerz» lich für uns sein, diesen Menschen, und gar den Rleinen, diese Uybe» fangenheit rauben zu müssen. Aber es muß geschehen. Nur auf dem Wege werden wir dann zu einer noch höheren Unbefangenheit gelangen, aus der heraus wir dann keine Blumen mehr pflücken werden. —-» ko