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Blau-Weiss-Blätter · 1914-08-01 · 5 (8.1914) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
5 (8.1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ihren Winkeln hervor, die Melden alle, mit denen meine Phantasie Mützer bevölkert war. Zuerst die „reisigen Degen" der deutschen Lage, der wehrhafte Dietrich von Bern, der grimme Hagen und der verwitterte hildebrant, Volker, der kühne Fiedler und die blond verleuchtende Zünglingsstgur des sterbenden Liegfried. Und dann die trikotgekleideten Ringkämpfer meiner Huintanerzeit, wuchtig-schwere Gestalten, und doch bald verdrängt von falkenäugigen, schwermütigen Mohikanerhäuptlingen, die dann dürren kleinen Detektiven Platz machten, von schmächtigem, kränklichem Aussehen, und doch mit Bärenkräften versehen. Und alle di« lieben Bekannten führten einen wilden, gehässigen Reigentanz auf vor meinen schläfrigen Augen. Wo bist Du, mein jüdischer Held? — Es wurde dunkler. Der Zug raste immer weiter und glitt tobend durch eine größere Station. Zn gezacktem Rot und Blau hing der wolkige Abendhimmel mir zur Leite, und mit unnötiger Helle strahlten die Bogenlampen des Bahnhofs gegen den verdunkelten Horizont. Aus dem gelösten Reigentanz blieb einer nur zurück, Dietrich, der Gotenkönig, der männlich-stolz« Typ des deutschen Helden. . . . Einer der stärksten Eindrücke meiner Kindheit war, als ich einmal «ine Ballade las. Sie war wohl von Geibel: Lapril Zn der leuchtenden Sommer»,acht, inmitten von tiefdunklem, funkelndem Blau, sieht der irre, lebenssatte Tiberiur auf den Zinnen seines weißen Marmorpalastes, und im Wahnsinn wirft er die schwere Krone in den dunklen Hof hinab, daß sie in klirrendem Getön auf den Fliesen rollt. Und unten, in der Schwüle der Sommernacht, steht ein blond« bärtiger Germanenkrieger auf Posten und denkt an Frau und Kind, die er in den kühlragenden Heimatwäldern znrückgelassen hat. Vor seine Füße rollt die glitzernde Kaiserkrone Roms, und sinnend hebt er sie auf und drückt sie auf seine Schläfen. — vier Bande hat der „Kampf um Rom", und doch habe ich sie in einer kurzen Woche gelesen. Fünf dicke Bände zählt Gustav Freytag's kulturhistorischer Roman „Die . Ahnen", und ohne Ermüdung sind die Schicksale der vielen Menschen vor meinen Augen vorübergezogen. Schwab's „Deutsche Sagen" und „Eooper's Lederstrumpf", Karl May und Sherlock Holmes, alle prägten einen neuen Typ des Helden in der kindlichen Phantasie. Dann wurde mit der Kindheit der Reigen geschlossen- und ich vergaß an meine Helden. Nur Dietrich von Bern ist geblieben, der germanische Mann. Er war der Stärkste. Geht es uns nicht allen so? Und langsam entwirrte sich wieder das irrende Träumen meiner Gedanken. Ich dachte nach, woher das wohl käme, daß ein ger-

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