Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 2 (5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Wetß-B&tter 9 Gewiß, Wandervereine gab's bis jetzt noch nicht aber man hatte andere Formen, um seiner Jugend und Gottes schöner Welt froh zu werden. Wer kejint die Geschichte von Sheilah, der Tochter Jephtas? Ihr Name wird in der Thorah nicht genannt, er ist nur durch die Mischnah überliefert. In der Bibel selbst wird ihre Geschichte in sieben kurzen Versen berichtet*), aber wir erfahren doch genug, um uns ein Bild von ihrem Leben machen zu können. Von all den herrlichen Frauengestalten der Bibel müßte uns keine so nahe stehen, wie Sheilah. Sie war eine treue- Tochter. Als ihr Vater aus dem Kriege heimkehrte — ihr Väter; der dem Herrn ein Gelübde getan hatte: „Giebst du die Ammoniter in meine Hand, — was zu meiner Haustür herausgeht, wenn ich mit Frieden wiederkomme von den Kindern Ammon, das soll des Herrn sein, und will's zum Brandopfer opfern * — da - »gehet seine Tochter heraus ihm entgegen mit Pauken und Reigen; und sie war sein einziges Kind, und er hatte sonst keinen Sohn noch Tochter." Und als Jephtha erschrak und als er sprach: „Ach, meine Tochter, wie beugst Du mich und betrübst mich! Denn ich habe meinen Mund aufgetan gegen Gott und kann's nicht widerrufen", da war sie, Sheilah, seine Trösterin. Und sie bewog ihn, den unglückseligen Schwur zu halten. Freilich war sie sich wohl bewußt, was es heißt: Abschied nehmen von der schönen Welt, von Eltern und Freundinnen. Aber was ist ihr der Tod im Vergleich zu dem Bewußtsein: Volk und Land sind befreit von den Bedrängern?! Doch die Erde ist ihr kostbar. Sie will noch einmal ihrer Liebe zur Erde leben. „Und sie sprach zu ihrem Vater: Du wollest mir das tun, daß Du mir lassest zween Monate, daß ich von hinnen hinab gehe auf die Berge, und meine Jungfrauschaft beweine mit meinen Gespielen. Und er sprach: Gehe hin: und ließ sie zween Monate gehen. Da ging sie hin mit ihren Gespielen und beweinte ihre Jungfrauschaft auf den Bergen.* Nach zwei Monaten kam sie wieder zu ihrem Vater, und er tat ihr, wie er gelobt hatte, und es war eine Gewohnheit in Israel, so berichten die Bücher der Richter weiter, daß die Töchter Israels jährlich hinaufgingen, „zu klagen die Tochter Jephthas, des Gileaditers, des Jahres vier Tage". Leider sind uns keine Berichte über dieses Fest erhalten, aber wir wissen, wie die benachbarten Völker ein ähnliches Erinnerungsfest begingen: Da zogen die Jungfrauen hinauf in die Berge und Wälder und feierten das Gedenken ihres Lieblings in Tänzen und Gesängen. Ein Stück solch eines Liedes ist uns noch im Talmud erhalten, angeblich soll es Sheilah selbst gesungen haben. Schön muß sie gewesen sein, wenn anders 1 Richter 11, 34—4L