Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 2 (5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Blau-Wetß-Blättef nie mit einem einzelnen zu lange befassen soll, so muß er doch jeden zu erkennen versuchen. Er muß sich im Laufe der Wanderung mit jedem beschäftigt haben. Er darf dabei aber nie die Fühlung mit der Gesamtheit verlieren. Nur so kann er die Stimmung beurteilen, die die Gesamtheit beherrscht, nur so kann er sie beeinflussen. Der Führer läßt nie einen Jungen gar zu sehr in de» Vordergrund treten, es sei denn, daß der viel schöne Lieder spielen und singen kann. Er achtet darauf, daß nie zweideutige oder geschmacklose Witze erzählt werden. Er läßt auch nicht zu, daß die Schüler von ihren Lehrern verächtlich reden. Er sorgt dafür, daß die Wanderer wissen, wie er über Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit denkt, daß jede Lüge dem Wandergeist widerspricht. Der gute Wandrer sagt stets die Wahrheit, daher auch dem Lehrer. III Wichtig ist, daß der Führer zu den Jungen gelegentlich über hygienische Lebensweise spricht. So etwas von der Fußpflege: Der Wandrer hält seine Füße sauberer als sein Gesicht. Er wäscht sie ebensohäufig wie dieses (daher auch unterwegs ruhig Füße in der Waschschüssel waschen lassen). Der Wandrer schwimmt und badet, so oft er kann. Er turnt jeden Tag, wenn auch nur ein paar Minuten. Ein Blau-Weißer läßt sich daher nie vom Turnen dispensieren. Ganz gewiß nicht etwa noch mit falscher Begründung. Und die Zahnpflege. Wir Wandrer, die wir unterwegs abkochen, gewöhnen uns daran, einfache, derbe Speisen zu essen; Kartoffeln, Haferschleimsuppe, Gemüse, Obst. Die sind gesund und verderben die Zähne nicht. Allzuviel Süßigkeiten verschmäht der Wanderer. Ich lasse — schon um alle an das Essen auch schlecht gekochter Nahrung zu gewöhnen — nur gemeinsam abkochen. "Von Hause werden nur Brot, Obst und in der Feldflasche ein Trunk dünnen Tees mitgebracht. Da gibts keine oder doch weniger Schleckereien unterwegs. Und das- Abkochen auf dem Holzfeuer macht große Freude. Der Führer muß natürlich etwas vom Kochen verstehen. Kann er es nicht, so muß er es eben lernen. IV. Wir haben in Breslau neben einem einfachen Kochkursus einen Kursus für Botanik vor. Außerdem halten wir einen allgemeinen Kursus für Führer ab. Wöchentlich kommen wir einmal zusammen und sprechen vom Sinn des Wanderns. In den ersten Stunden sprachen wir über das Erziehungsziel unseres Bundes. Wir waren uns darin einig, daß die Erziehung der Schule einer Ergänzung bedarf. Wir sprachen über die Stellung der Führer zu jüdischen Fragen und beschlossen, daß keinerlei jüdische Tagesfragen oder Tendenzen vor