Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 2 (5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang II Mai 1914 Heft 2 Jungen heraus! Unser Zug zieht den breiten Bergrücken herauf, der sich zwischen Heidelberg und der Bergstraße erhebt. Wir haben im Hagelwetter abgekocht und wollen jetzt einen geeigneten Platz für das Geländespiel suchen. Er darf nicht zu dicht bewaldet sein, damit man noch durchkommt, darf aber auch nicht zu kahl sein, damit nicht alle Pläne des Angreifers zu früh enthüllt werden. Der Platz wird ganz oben auf dem Höhenrücken endlich gefunden; die Parteien werden gebildet, und bald liege ich im* Vorpostenversteck, dicht an die Erde gedrückt, im nassen Laube*.. den Atem anhaltend. Denn eine Kolonne des „Feindes* geht! wenige Schritte an uns vorbei, wie mir mein Postengefährte;? ein Sextaner, voll verhaltener Spannung in leisestem Flüstertone zuraunt. Wir hören ganz deutlich, wie sich die „feindliche* Kolonne unterhält; es ist der gegnerische Führer, auch schon ein Dreißiger, gleich mir, und der jüngste von uns, der kaum zehn Jahre zählt. Ich glaube, es gibt von diesen beiden keiner dem andern etwas nach, was Eifer und Freude am Spiel anlangt; beide schleichen sie auf allen Vieren durch das Gebüsch auf uns zu. Wir ducken uns in das nasse und kalte Laub, so tief als es nur irgendwie geht, und sehen endlich nach sehr langsam verrinnenden Sekunden, wie die beiden, ohne uns bemerkt zu haben, sich wieder entfernen.-- Was soll ich noch erzählen, vom Angriff auf die „feindliche* Burg, als wir uns alle langsam herangepürscht hatten und endlich, wie aus dem Boden gewachsen, davor auftauchten? Das muß man selbst mitfühlen können, diese Jugend, die anfängt, wieder frei und freudig zu werden und die Gaben einer Herz« Verjüngung in der Natur und durch die Natur selbstverständlich und bewußt empfangen will. Jungen heraus, den Schlapphut im Genick, den Lodenmantel frei umgehangen, Sonne und Wind, Regen und Hagel entgegen! Und daß Ihr mir ja Euer Strebertum totprügelt, wo es Euch noch anhängt! Pfui Teufel, ein Streber zu sein!-- Ich denke an die Generation vor uns,* und wie wir erzogen worden sind. Verweichlicht und verweiblicht, in falscher Treibhausluft, statt im junggrünen Walde. Ich denke an das Unglück, daß allzuviele von uns in der Grosstadt leben müssen," daß in Berlin unter 100 Juden V* ehelos und */* kinderlos sind, daß