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Blau-Weiss-Blätter · 1914-04-01 · 1 (4.1914) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
1 (4.1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Blau-Weiß-Blätter 5 verwirklichen lassen. Ich bin überzeugt, daß es am Anfang genug mißlungene Aufnahmen geben wird. Der rechte Photograph wird sich dadurch ebensowenig abschrecken lassen, wie der Jäger, dem sein Wild durch die Lappen geht. Hier wie dort führt Beharrlichkeit zum Ziele. Am besten freilich wird der abschneiden, der ein wenig vom Instinkt des Jägers besitzt. Denn auch hier gilt es, einer Beute nachzuspüren, sie zu belauern und zu beobachten; schlimm genug, wenn der Uebereifrige vorzeitig eräugt wird. Denn leider geben sich Menschen, die sich beobachtet fühlen, meist anders, als sie sind. Und nun bitte ich jeden Eigentümer eines Kodaks, es auf den Versuch ankommen zu lassen. Wer die Handwerksregeln nicht beherrscht, mag erst diese erlernen. Der Fortgeschrittene dagegen soll versuchen, ob er imstande ist, nette Szenen aus unserem Wanderleben zu knipsen, einen Zug auf dem Marsche, Oder originelle Bilder, wie sie das Abkochen oft mit sich bringt — Wer sich sehr viel zutraut, kann erproben, ob ihm Landschaftsaufnahmen gelingen. Wer auf diesem Gebiet wirklich Schönes schaffen will, muß imstande sein, sich ganz in die NTatur hineinzufühlen und hineinzusehen. Auch das anscheinend reizloseste Stück Heide hat seine Schönheit; dem Wanderer nach unserem Herzen wird sie sich erschließen. Hier, an dieser Stelle zeigt sich, weshalb Photographieren und Wandern so eng zusammengehören. Der Photograph, der mit uns hinauszieht, wird bald verlernen, das Land ringsum mit Xlroßstadtaugen anzusehen; leichter und schöner wird ihm der Sinn unseres Wanderns aufgehen. — Was ich für den Photographen sagte, gilt in noch höherem Sinne für den Zeichner. Die Skizze ist ihrem Wesen nach weit persönlicher als die Photographie. Das ist in den meisten Fällen ihre Schwäche, das kann ihr höchster Reiz sein. Wer nichts, vermag, als bekannte Vorbilder zu variieren, mag Skizzenbuch und Bleistift ruhig zu Hause lassen; selbst ein technisch gelungenes Bild wird langweilig und wertlos. Aus diesem Grunde möchte ich besonders vor Motiven aus der „\Vandervogelkunst~ warnen. Hier liegt leider die Gefahr besonders nahe, daß der Zeichner sich bedingungslos fremder Eigenart fügt. Aus diesem Grunde möchte ich hoffen, für die Titelseite unseres Liederbuches das nächste Mal eine andere Zeichnung wählen zu können. Sollte sie aus dem Kreise unserer Wanderer stammen — umso besser. Zum Schlüsse möchte ich auf die hübschen Photographien des Breslauer Wanderbundes hinweisen, die den obigen Forderungen fast restlos genügen. — Die Führerschaft des Berliner Blau-Weiß wird in nächster Zeit ein Album anlegen, dem sie die besten Photographien und Skizzen einverleiben wird. Es sollte für jeden, der bereit ist unseren Anregungen

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