Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 10 (2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Was uns fehlt Die Entwicklung unserer Bewegung ist eine schnelle und vielfach überraschend günstige. Die Tatsache, daß am 1. März dieses Jahres Gründer und Führer jüdischer Wanderbunde in Berlin zusammenkommen werden, um einen „Bund für Jüdisches Jugendwandern" ins Leben zu rufen, der die bestehenden Vereine einander verknüpfen und unserer Arbeit weitere Erfolge sichern soll, ist ein Beweis für die Schnelligkeit mit der sich unsere Idee durchsetzte. Das Gebäude ist damit aufgeführt und vollendet; an uns ist es, darin heimisch zu werden, es wohnlich; auszustatten und seinen Bestand für die Folgezeit zu sichern. 1 Es mag gewiß nicht zum wenigsten an der schnellen Ausbreitung unserer Bewegung liegen, daß mancherlei bei uns hinter der sonstigen Entwicklung zurückgeblieben ist, und daß sich jetzt vielfach die Notwendigkeit geltend macht, zu bessern und zu warnen. Mit Recht nennt sich der „Wandervogel** eine „freie Erziehungsgemeinde** der deutschen Jugend. Dürfen wir das stolze Wort in gleichem Maße für unsere Tätigkeit in der jüdischen Jugend in Anspruch nehmen? Gewiß, auch wir sind kein „Vergnügungs- und Reiseausschuß" für jüdische Schüler, auch» wir glauben Erziehungsarbeit leisten zu können und leisten zu müssen;- wir werden jedoch — unter uns — eingestehen, daß wir gerade hier nicht immer die notwendige Unterstützung unserer Wanderer finden. Ohne die freilich sind wir machtlos.; die Mittel der Schule können und wollen wir nicht anwenden. Auch wir wollen eine freie Erziehungsgemeinde sein. Unserje Freiheit besteht jedoch nicht in Ungebundenheit, sondern in freiwilliger Unterordnung unter das Gesamtwohl und in der freudigen Erkenntnis, daß eine gewisse Gebundenheit im Interesse des Ganzen die Einzelpersönlichkeit nicht beeinträchtigt, sondern hebt. Ein Zug, der das erkannte, sieht im Führer, nicht den Kommandanten, sondern den Kameraden, den Kameraden, der für jeden einzelnen einsteht, und dem man beispringt, wenn's nottut. In diesem Sinne sind unsere „alten*4 Wanderer die gegebenen Helfer des. Führers. Sie sind naturgemäß; $e Träger unserer Tradition, sie sollen den „Wandergeist*4 verkörpern, der bei uns lebt. Gewiß gibt das Niemandem ein Recht, dein