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Blau-Weiss-Blätter · 1914-01-01 · 9 (1.1914) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
9 (1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 Blau-Weiß-Blätter ^er nur flüchtig hinsieht, wird nur die Jugendlust und Jugendreude erblicken. Wer aber mit scharfem Auge sieht, der wird erkennen, was diese Jugendlust für uns bedeutet, welchen Wert lie frohen und doch so ernsten Ideale haben. Ein froher Kampf st es, und er wird uns leicht fallen; was wir erkämpfen, ist gut ind des Kampfes wert: die Wiedergeburt der Nachkommen eines mglücklichen Volkes. Hohe Ziele sind gute Ziele; drum auf^ fung-Juda, in den Kampf! Watter Deutschmann, Ol Breslau. Wiener Wanderleben Wir ziehen jeden Sonntag hinaus, bei jedem Wetter; denn iber Witterungsunbill fühlen wir uns erhaben. Wer uns an unserem Sammelpunkt sehen will, muß früh iufstehen, denn um 7 Uhr gewöhnlich treffen wir uns, und eine Viertelstunde später sind wir schon weiß Gott wo. Unser Sammelplatz liegt an einer Donaukanalbrücke, für eine ganze Anzahl von Bezirken zentral gelegen. Von dort marschieren daher auch die meisten unserer Züge ab. Jeder Zug schart sich um sein Fähnchen. Wir haben auf unsere großen Zeltstangen blauweiße Fähnchen gesteckt (von Wandrerinnen gemacht), und diese Stangen sind uns dadurch lieb und teuer geworden. Mit der Elektrischen oder Stadtbahn fahren wir ins Freie. Draußen wird „angetreten" und in Reih* und Glied marschieren wir, solange unser Weg durch eine Ortschaft geht. Und sofort geht auch das Singen los. Unsere Jungens und Mädels singen gern und viel, besonders seit sie unsere jüdischen Lieder können. Bald hebräisch', bald deutsch jubeln sie ihre junge Freude in die Welt. Wir haben jetzt sogar Lieder gelernt, die unsere Kolonistenkinder in Palästina singen, und wir singen sie' so voll jauchzenden Glückes, daß wir bisweilen glauben, selbst von den Lippen der sicher glücklicheren Judenkinder des neuen Palästina können sie nicht froher ertönen. Und gar, wenn wir Juden begegnen. Dann gehen wir doppelt so stramm, dann singen wir doppelt so laut. Mögen doch die „alten~ Juden sehen, was für Leute wir jungen Juden sind, „Die Zeit der Schande ist nunmehr vorbei", wir fühlen es, daß sie vorbei ist. — Sobald wir in den Wald kommen, heißt es: „Rotten — Auflösung", ein Kommando, dem stets ein wHedad%i antwortet. Vorhut und Nachhut decken uns im Walde gegen unsere „Gegner". Wir haben deren viele, denn es ist Sitte bei uns, daß mehrere Züge, mindestens aber zwei, sich irgendwo draußen ein Stelldichein geben. Da tut Vorsicht not, will man nicht überrascht werden. Oft auch teilen wir die Züge in einzelne Trupps, die sich später wieder vereinigen. Trifft man sich dann, so

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