Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 9 (1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Kampf Eine gewaltige Aufgabe haben wir uns gestellt, eine Aufgabe, deren Erfüllung doch einzig und allein bei uns liegt: wir wollen die jüdische Jugend, d. h. in erster Linie uns selbst, umgestalten, wir wollen etwas Bestehendes und in der Geschichte Begründetes verändern. Wir müssen uns natürlich darüber kiar sein, daß dies wohl durchführbar ist, aber nicht selbstverständlich; daß wir, um unser Ziel zu erreichen, alle Energie anstrengen, daß wir kämpfen müssen. Wer der Feind ist, gegen den der Kampf geht, darüber sind wir uns wohl alle klar: er ist kein äußerer Feind, er liegt in uns selbst; er ist die Halbheit des Menschen, die sich bald in Weltfremdheit, bald in falschem Lebensgenuß äußert und zu einer häßlichen Schlaffheit führt. Wir Juden haben dies als ein schlimmes Erbteil überkommen; es ist nicht unsere Schuld, wenn manchem von uns der frische, fröhliche Lebensmut fehlr; den die anderen besitzen: aber wenn man erkannt hat, wo die Wurzel des Uebels liegt, dann muß man sie mit starker Hand auszurotten suchen. Aus diesem Grunde haben wir uns zusammengetan; wir wollen durch das fröhliche Wandern in der Natur jenen frisch-fröhlichen Lebensmut wiederfinden und dadurch, froh den ernsten Kampf gegen die angestam m t e n Fehler führen. Und das unterscheidet uns gerade von vielen anderen, daß wir das schlechte Element in uns selbst erkannt haben und zum Kampfe entschlossen sind. Wie oft hört man von Juden, die Juden litten unter ihrer Vergangenheit, sie besäßen gra£e; Fehler usw. Vor kurzer Zeit hörte ich jüdische Schüler "überdiese Tatsache diskutieren; aber eins hörte ich nicht: sie waren sich nicht darüber klar, daß sie genau so wie alle andern zu diesen Fehlern neigten, und daher auch nicht entschlossen, die Fehler zu bekämpfen. Und diese Menschen sind vielleicht noch bemitleidenswerter als jene» die ihre Fehler überhaupt nicht kennen. Der Mut aber, unsere Fehler zu bekennen, iniii^g-Entschlossenheit sie zu bekämpfen, kennzeichnen den Wanderer. Er hat erkannt, was ihm fehlt, und er sucht es; er kennt seinen- Feind, und er bekämpft ihn. Und es ist ein fröhlicher Kamp::