Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1916-01-01 · [1916] · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
[1916]
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425321-3181698-3181683--0537-3181906
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Frühling in Erez Iisrael i Dicht find die Mandelbäume mit weißem Schnee bedeckt. In, Schnee ist jetzt in Berlin oder Wien nichts besonderes; den habt Ihr ja in Nassen und führt im Winter die lustigsten Kriege auf Euren Wanderungen. — Aber der Schnee hier auf unseren Mandelbäumen ist nicht kalt und schmilzt nicht, wenn man ihn berührt. Ja, er duftet! Tausende von weißen Blüten find's, die seit Tagen dieAeste bedecken; denn wisset, freunde und Freundinnen: Wir haben Frühling, herrlich lachenden, lieblichen Frühling! — Veilchen, Narzissen und Rosen wachsen in Fülle in den Gärten. Schon lange sprießt der Safran auf den Wiesen. So viele Zyclamen habt Ihr wohl noch nie gesehen und am Wegrand gucken die roten Köpfchen der Anemonen hervor und grüßen den Wanderer, der frohen Herzens durch das kand zieht. — ' In wenigen Tagen werden wir hier ein schönes Fest feiern: Rösch haschanah leilanoth'* nennt man es, „Neujahrsfest der Bäume". Dann werden alle die Jungen und Mädchen der hebräischen Schulen Jerusalems in langem Zuge nach einem schönen jüdischen Dörfchen pilgern. Sie werden hebräische Lieder fingen, und am Ziele wird jeder ein Bäumchen pflanzen. Der Himmel wird sein schönstes, lachendes Geficht aufsetzen, und ein leises Lüftchen wird einen 5egen flüstern. II. Es ist ein wunderbarer Sabbathvormittag, so schön, wie ihn nur der Frühling zaubern kann. — Festlich geputzte Menschen kommen aus den Synagogen. Ich gehe durch die dichten Reihen der Thasfidim, die ihre grellfarbig bunten Samtmäntel tragen, wenn es auch die Sonne gar gut meint. — Und sabbathlich gestimmt gehe ich langsam hinaus zum „bar sittim", dem Delberg. Die Zeiten find freilich längst vorüber, da ihn noch zahllose Gelbäume bedeckten. Nur der Name erinnert an die Vergangenheit. Aber doch, in einem Garten habe ich junge Delbäumchen gesehen, die Heuer vielleicht zum ersten Mal blühen wollen. — Und jetzt stehe ich auf der höhe. In einen zarten, feinen Dunstschleier ist das herrliche Panorama der heiligen Stadt gehüllt. Ein reiner, tiefblauer Himmel, auf dem nur wenige tämmerwölkchen dahinsegeln, spannt sich über das schöne Bild. Welch ein buntes Meer von Häusern, Kuppeln, Kirchtürmen und Minarets! Aber drei Wahrzeichen ragen besonders hervor: Die schöne Dinar»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.