Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 6 (9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere große Sommerfahrt Die Fahrt dauerte über 3 Wochen und ging von Wertheim am Main über Rothenburg a. T. und Dinkesbühl durch die schwäbische Alb zum Bodensee und nach einem kleinen Abstecher nach Vorarlberg durch den Schwarzwald nach Freiburg. Es nahmen 12 Wanderer teil. 1. Keinen Bericht im üblichen Sinne will ich geben. Wer sich für Geographie interessiert, mag unseren Weg auf der Karte verfolgen. Auch will ich keinen „Leitfaden für Führer und solche, die es werden wollen", schreiben; es gibt genug wandertechnische Bücher in Deutschland. Nur was mir in der Erinnerung haften blieb als Geschautes und Gelerntes will ich zwanglos erzählen, und, nicht wahr, ihr nehmt mir die schlechte Disposition nicht übel? Wenn wir Wanderer am Kochteuer sitzen und miteinander plaudern, kümmern wir uns eben wenig um die Aufsatzregeln der deutschen Stunde. Dennoch würde ich mich freuen, wenn ihr etwas von dem, was ich erzähle, behalten würdet. Manches davon mag auch euch einmal _zuÄuie. J^rnrngn. JQaaB ofene Erfahrung \äüi sich eben nicht wandern; wenigstens nicht auf unsere Art. Das bloße Anziehen der Nagelschuhe machts nicht, auch nicht der Rucksack und das Juchhehütli; vollen Genuß von der Fahrt hat nur der erprobte Führer mit bewährten Wanderern. — Als wir uns auf dem Anhalter Bahnhof trafen, gings ans Vorstellen. Man wollte mehr als 3 Wochen miteinander leben und hatte sich vielleicht nie vorher gesehen. Dementsprechend war die Laune des Führers nicht allzu rosig, als sich der Zug in Bewegung setzte und in die Nacht hineinbrauste. Er kam sich vor wie Cäsar, der den Rubikon überschritten hatte: Alea est jacta, na, das kann ja schön werden. — Es wurde wirklich sehr schön. Es ist ein Untei schied, ob man als Tourist reist oder mit dem Kochtopf wandert. Ob man auszieht, um die Gegend mit dem Bädecker zu vergleichen, oder ob man singend über Land streicht, aus lauter Lust am Gehen und Schauen. Das erste ist bequemer, das andere froher und sorgenloser. Der Kochtopf löst uns von jeder weiland Lebensgewohnheit und gibt der Fahrt den