Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 1 (4.1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Geleitwort. Der Wanderlust gehören diese Blätter. Sie ward als glückliche Eigenschaft eingepflanzt in die Seele des Menschen. Je höher die Häusermauern steigen, je weiter die Städte ibre Polypenarme recken, umso mächtiger ruft sie die Jugend hinaus in die Sonne. Eine hochstrebende Wanderbewegung ist im letzten Jahrzehnt erwachsen. In hellen Scharen ziehen Tausende von Berliner Jungen und Mädchen im Morgenstrahl hinaus in die Wälder. Zahllos sind die Gruppen und Vereinigungen, in die das Jugendwandern gegliedert ist. Wohl darf in manchen auch die jüdische Jugend die Reihen schließen helfen; indes sie darf es nur. Wir aber sind der Ansicht, daß der Judenstolz im Kinde nicht gebeugt, sondern gehoben werden müsse, daß es keine „Absonderung* sei, Rüstzeug und Waffen für die Zeit der Reife im eigenen Lager zu schmieden. Darum gründeien wir den Jüdischen Wanderbund „Blau - Weiß". Wir wollen unserer Jugend den Weg zur Natur weisen. Sinn und Verständnis für ihre Schönheiten zu wecken, ist unsere vornehmste Aufgabe. Jedem, der die Farbenpracht der Natur und ihren Reichtum an schönen Formen sieht, muß das Herz aufgehen. Das Alltagsleben Verschwindet, manche gute Regung keimt in uns, der wir sonst nicht Raum gegeben hätten. Darum trägt das Wandern nicht nur zur Erstarkung des Körpers bei, es hat auch nachhaltigen und segensreichen Einfluß auf das Gemüt. Wir wollen die Jugend zur Einfachheit erziehen. Der Schüler, der zu Hause alle Bequemlichkeiten genießt, ist auf der Wanderung sein eigener Diener, aber auch sein eigener Herr. Rucksack, Lodenmantel, Zeltbahn, Kochgeschirr und Liederbuch bilden seine Ausrüstung. Geld hat er wenig, aber ein frohes Herz — ein offenes Auge. Wandert hinaus mit uns in den Frühling, ihr lieben jungen Freunde, mit dem Sang der fahrenden Scholaren: Wohlauf in Gottes schöne Welt, Die Luft ist blau und grün das Feld, Die Berge giüh'n wie Edelstein, Ich wandere mit dem Sonnenschein Ins weite Land hinein! litlch Burla,